Ein Kinderbetreuer, der mehrere Kleinkinder in einer Winterthurer Einrichtung sexuell missbrauchte, konnte erst durch einen Zufall gestoppt werden. Diese Verzögerung wirft Fragen auf: Wie konnten die Warnungen übersehen worden sein? Eine betroffene Kita kündigte an, die Vorfälle unabhängig untersuchen zu lassen. Am Montagabend organisierte die Dachorganisation der Winterthurer Kita einen Anlass für Eltern. Auch eine Psychologin und ein Jurist waren zugegen. Trotz vieler Fragen erhielten die anwesenden Eltern nur wenige befriedigende Antworten, wie Teilnehmer kritisieren. Eine Mutter äußert sich enttäuscht: „Es ging lediglich um die Verteidigung des eigenen Handelns. Mein Vertrauen in die Leitung ist zerstört.“ Der Fall zählt zu den schwersten Missbrauchsfällen der letzten Jahre, bei denen mindestens 15 Kinder betroffen waren. Die Übergriffe fanden an verschiedenen Orten in den Einrichtungen statt. Silvan L., der Beschuldigte, muss sich vor einem Gericht im Kanton Bern verantworten. Ihm werden unter anderem Schändung und sexuelle Nötigung vorgeworfen. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung. Die Eltern fragen sich, warum trotz früher Verdachtsmeldungen nichts unternommen wurde. Der Betreuer fand sogar eine neue Anstellung, obwohl gegen ihn ermittelt wurde. Die Kita informierte erst nach Medienberichten über den Fall die Eltern. Schon 2020 gab es erste Warnsignale. Eine Mutter meldete einen Verdacht wegen des Verhaltens des Betreuers an. Auch ein Lehrling berichtete von verdächtigem Verhalten im Schlafsaal. Trotzdem erfolgte keine disziplinarische Maßnahme, sondern eine Beförderung. Erst als sich 2022 eine weitere Mutter meldete, wurde der Betreuer suspendiert und krankgeschrieben. Die Ermittlungen stockten jedoch. Der Mann verließ die Kita im Dezember 2022 und beging weiteren Missbrauch in einer Berner Einrichtung. Silvan L. wurde schließlich durch Zufall enttarnt, als er kinderpornografisches Material konsumierte. Bei der Hausdurchsuchung fanden sich Beweise für die Übergriffe. 2024 wurden die Winterthurer Eltern informiert, obwohl bereits zuvor bekannt war, dass die Ermittlungen in Bern liefen. Die Kita räumt ein, dass die damalige Kommunikation an die Eltern aus heutiger Sicht unangemessen war. Trotz der Möglichkeit zur Informierung im Frühjahr 2024 blieben viele Eltern bis zu den Medienberichten unwissend. Die Ungewissheit belastet die Eltern, da sie nicht wissen können, ob ihre Kinder betroffen sind. Viele fragen sich, warum die Kita nicht früher informierte. Die Verantwortlichen behaupten jedoch, sie hätten sich an die Anweisungen der Behörden gehalten und wollten nichts vertuschen. Noch viele Fragen bleiben offen, bis Silvan L. vor Gericht steht.