Mali erlebte am Wochenende eine massiv koordinierte Offensive von Jihadisten, die trotz Unterstützung durch russische Verbündete nicht abgewehrt werden konnte. Ulf Laessing, Sahel-Experte und Leiter des Sahel-Programms der Konrad-Adenauer-Stiftung in Bamako, analysiert die Geschehnisse.
Der Angriff auf Mali, Burkina Faso und Niger stellt den weltweit größten jihadistischen Aufstand dar und hat Millionen zur Flucht gezwungen. In einer neuerlichen Eskalation griffen Jihadisten zusammen mit Tuareg-Rebellen am Samstag Städte und Militärbasen an, wobei der Verteidigungsminister getötet wurde.
Laessing, der am Wochenende nicht in Mali war, beschreibt die Angriffe als bisher größten seit 2012. Ziel sei es, das Regime zu destabilisieren oder zu stürzen, um im Norden freie Hand zu haben. Die Jihadisten suchen Allianzen, um ein Kalifat zu etablieren und setzen zunehmend Städte ins Visier.
Während die Jihadisten nicht kurzfristig die Macht übernehmen wollen, verfolgen sie einen schleichenden Machtübergang, bei dem sie den Süden der Regierung überlassen, solange ihnen der Norden gehört. Sie sind sich bewusst, dass ihre Führungsfähigkeit noch nicht mit Gruppen wie HTS in Syrien vergleichbar ist und planen langfristig.
Analysten sehen Parallelen zu Staatsprojekten in Libyen oder Somalia, wo die Zentralregierung nur über geringe Kontrolle verfügt. Die Allianz zwischen Jihadisten und Tuareg-Rebellen basiert auf einem gemeinsamen Gegner, der malische Staat.
Die russischen Kräfte konnten den Angriff nicht stoppen, da sie weniger Soldaten und schlechter ausgerüstet sind als die Franzosen vor 2022. Zudem kam keine Unterstützung von Malis Sahel-Allianzpartnerländern. Die malische Junta bleibt trotz Enttäuschung über mangelnde Wahlen bei der Bevölkerung beliebt.
Die Stabilität des Regimes bleibt ungefährdet, obwohl die USA Mali Unterstützung gegen den Terrorismus angeboten haben – eine Option, die nun wieder ernsthaft in Betracht gezogen werden könnte. Die russischen Truppen verfügen nicht über Satellitenaufklärung zur Territorialüberwachung.