Die Medienlandschaft steht vor einer existenzbedrohenden Krise, hervorgerufen durch stark gesunkene Werbeeinnahmen. Dieses Problem verlangt nach staatlichen Fördermitteln sowie einem Umdenken bei Stiftungen und Mäzenen. Ein dringender Weckruf. Die Analyse ist simpel: Seit 2010 haben Schweizer Medien ungefähr 80 Prozent ihrer Werbeeinnahmen eingebüßt, hauptsächlich zugunsten amerikanischer Plattformen wie Google und Facebook. Gleichzeitig sind die Auflagen der bezahlten Presse gesunken. Eine drastische Prognose von Ringier-CEO Marc Walder erregte kürzlich Aufmerksamkeit: Neben der SRG würden laut ihm nur drei private Medien mit starker Internetpräsenz überleben – NZZ, “20 Minuten” und natürlich der hauseigene “Blick”. Lokale Medien würden verschwinden, da sie keine tragfähige Online-Präsenz etabliert haben, von Tamedia bis CH Media, inklusive Ringier-Heftli. Obwohl es so drastisch nicht kommen wird, sind die ersten Opfer jene Medien mit nur einem Einkommensstrom – traditionelle Werbung. So musste das führende Gratisblatt “20 Minuten” seine Printausgabe einstellen. Christoph Blochers Portfolio mit 23 Gratiszeitungen und einer Gesamtauflage von 700 000 Exemplaren geriet zuletzt ebenfalls in Schwierigkeiten, was ihn zum Verkauf an die Nau-Gruppe zwang. Andere Gratisblätter wie “Obersee-Nachrichten” und “Luzerner Rundschau” verschwanden bereits. Viele Online-Portale verzichten auf eine Paywall, um ihre Reichweite nicht zu schmälern – fatal für neue Angebote wie Markus Somms “Nebelspalter”. Die nur zögerlich eingeführte Paywall beim “Blick” brachte keine befriedigenden Ergebnisse und die Online-Werbeeinnahmen stagnieren auf niedrigem Niveau. Bruno Hug, der ehemalige Leiter von “Obersee-Nachrichten”, erklärte in der NZZ, dass Online-Werbung nur fünf Prozent der früheren Print-Erlöse einbringt. Hoffnungen auf eine Rettung durch das Internet sind weitgehend verloren. Alle Medien stehen unter Druck, besonders die mit einer einzigen Einkommensquelle. Auch private Radio- und Fernsehsender, die nur auf Werbeeinnahmen angewiesen sind, geraten in Bedrängnis. Im Jahr 2000 konnte Radio 24 rund 8 Millionen Franken ins Programm investieren – ein Wert, den heute kein Sender erreicht. Auch bei Radio 1, gegründet im Jahr 2008, sinken die Einnahmen. In der Schweiz profitieren nur Randregionensender von staatlichen Subventionen aus historischen Gründen. Doch in den letzten zwanzig Jahren verschlechterte sich die Lage ohne eine Anpassung dieser Unterstützung. Eine Konzentration innerhalb der Branche führte zu Programmausdünnungen und fehlendem Journalismus. Ein qualitativ hochstehendes, unabhängiges Privatradio ist also nur mit zusätzlichen Einkommensströmen finanzierbar. Der Bund zeigt jedoch wenig Bereitschaft zur Änderung, da der Grundsatz gilt: Einmal Subvention, immer Subvention. Unterstützung könnte von Kantonen, Städten und Gemeinden kommen, die bereits andere Bereiche fördern. Während die Westschweiz aktiv ist, benötigt die Deutschschweiz einen Paradigmenwechsel zur Unterstützung unabhängiger Medien, bevor diese verschwinden. Die Schweiz besitzt zahlreiche Stiftungen mit einem Vermögen von 140 Milliarden Franken. Diese könnten sich an den neuen Bedürfnissen orientieren und profitablen Medien helfen – eine wichtige Rolle für die Demokratie. Ebenso sollten Mäzene journalistisch seriöse, unabhängige Medien unterstützen, ohne ihre Freiheit zu beeinträchtigen. Dieses Modell funktioniert bereits im angelsächsischen Raum. Abschließend bemüht sich Radio 1-Gründer Roger Schawinski seit achtzehn Jahren gegen den Strukturwandel anzukämpfen und hofft auf Unterstützung, um die regionale Medienlandschaft zu retten. Der bevorstehende “tipping point” darf nicht eintreten, da der Schaden für das Land immens wäre.