Am 12. Mai 1926 gelingt es erstmals, den Nordpol mit einem Luftschiff zu erreichen, pilotiert vom Forscher Roald Amundsen. Währenddessen versucht ein Konkurrent denselben Meilenstein per Flugzeug zu erringen.
Die Epoche der 1920er-Jahre markiert einen Wendepunkt in der Luftfahrt mit dem Beginn des Linienluftverkehrs, der die Welt verkleinert. Noch sind regelmäßige Überquerungen des Atlantiks per Flugzeug nicht denkbar, aber für fliegende Pioniere gibt es noch immer unerforschte Ziele wie den Nordpol, welcher auf dem Luftweg mit vergleichsweise geringem Risiko erreichbar erscheint.
Dennoch birgt der arktische Himmel Gefahren: schnelle Wetteränderungen und mangelnde optische Orientierungshilfen für die rudimentäre Sichtnavigation. Zudem besteht das Risiko, dass Flugzeugpropeller durch Eisansatz beschädigt werden, gegen den es damals noch keine technischen Lösungen gab.
Luftschiffe erweisen sich zu dieser Zeit als geeigneter für Langstreckenflüge, da sie mit Wasserstoff oder Helium gefüllt sind und so Auftrieb erhalten. Der amerikanische Abenteurer Lincoln Ellsworth sowie der norwegische Aeroclub erkennen die Vorteile gegenüber Flugzeugen und finanzieren ein internationales Projekt unter Leitung des Polarforschers Roald Amundsen, das auch von Italien unterstützt wird. Ziel ist es, als erstes Luftschiff den Nordpol zu überfliegen.
An Bord der Expedition befand sich eine bunt gemischte Mannschaft, bei der die unterschiedlichen Charaktere der Verantwortlichen Spannungen verursachten. Der norwegische Polarforscher Roald Amundsen, bereits bekannt durch seine Südpol-Expedition 1911, führte das Vorhaben an. Als Kapitän fungierte der italienische Luftschiffkonstrukteur Umberto Nobile. Mitreisend war auch der Amerikaner Lincoln Ellsworth.
Umberto Nobile hatte bereits 1923 den Bau des halbstarr gebauten Luftschiffs “N1” in Rom initiiert, das 1924 seine Jungfernfahrt absolvierte und sich durch mehrere zuverlässige Touren auszeichnete. Dieses Schiff wurde später zur “Norge” umgebaut.
Amundsen setzte auf das Luftschiff nach einem gescheiterten Versuch mit Flugbooten im Mai 1925, bei dem zwei Dornier-Flugzeuge des Typs Wal vor dem Ziel notlanden mussten. Die Umbauarbeiten an der “Norge” wurden daraufhin intensiviert.
Trotz ihrer Reichweite blieb die Navigation über den arktischen Ozean eine Herausforderung, verstärkt durch schlechte Sicht und das Risiko des Vereisens von Propellern. Als Startpunkt für den Polflug wählten Amundsen und Nobile Ny-Alesund auf Spitzbergen aus.
Nach monatelanger Planung erreichte die “Norge” im Mai 1926 Spitzbergen. Unerwartet tauchte der Amerikaner Richard Byrd mit einem Fokker-Flugzeug bei ihnen auf und beanspruchte den ersten Nordpolüberflug, dessen Authentizität jedoch fraglich ist.
Am 11. Mai startete die “Norge”-Crew ihren Flug zum Nordpol, der am 12. Mai nach rund 16 Stunden erfolgreich endete. Amundsen und Nobile hatten währenddessen unterschiedliche Auffassungen über das Abwerfen nationaler Flaggen.
Die Reise führte die Crew anschließend nonstop für fünfzig Stunden nach Alaska, wo eine riskante Landung erfolgte. Ohne Bodenmannschaft öffnete die Crew sofort die Ventile zur Entleerung des Wasserstoffs, um ein erneutes Abheben zu verhindern.
Tragischerweise konnte Amundsen seinen Erfolg nicht lange genießen; Umberto Nobile verunglückte 1928 bei einer weiteren Expedition mit seinem Luftschiff “Italia”. Trotz früherer Differenzen half Amundsen bei der Suche und verschwand daraufhin selbst.
Die Mannschaft von Nobile wurde schließlich gerettet, während die “Norge” nach ihrem Triumph demontiert und nach Europa zurückgebracht wurde.