Die Gegner der SVP-Initiative warnen davor, dass ein Ja am 14. Juni zur Initiative die Anstellung ausländischen Pflegepersonals stark einschränken könnte. Jedoch machen Ärzte und Pfleger nur einen kleinen Teil der Zuwanderung aus. Beat Jans, Justizminister, kritisiert das Volksbegehren mit dem Slogan: «Diese Initiative kann Ihre Gesundheit gefährden» auf seiner Abstimmungskampagne. Er betont die drohenden Probleme für das Gesundheitswesen angesichts des bevorstehenden Fachkräftemangels durch die Alterung der Gesellschaft.
Das Argument der Gegner, unter ihnen auch die Kantone, lautet: Eine Verweigerung bei der Anstellung ausländischen Personals würde die medizinische Versorgung in der Schweiz beeinträchtigen und das Gesundheitssystem gefährden. Ein Abstimmungsplakat zeigt einen Senior im Rollstuhl mit seiner Pflegerin, die von einem Absperrband getrennt ist: «Ohne sie keine Pflege».
Die Initiative will die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz bis 2050 unter 10 Millionen halten. Aktuell leben hier rund 9,1 Millionen Menschen; also könnten noch 900.000 Menschen hinzukommen, was einem jährlichen Wachstum von ca. 35.000 entspricht. Da in zehn Jahren mehr Menschen sterben als geboren werden, müsste der Wanderungssaldo leicht auf etwa 37.000 Personen pro Jahr steigen.
Wie viele Ärzte und Pfleger jährlich nach Schweiz kommen und wie sich eine Einwanderungsreduktion auf diese Berufsgruppen auswirken würde, lässt das Obsan, das Daten über Wanderungsbewegungen von ausländischem Personal sammelt, ermitteln. Die Grenzgänger sind bei dieser Betrachtung nicht relevant, da sie zur ständigen Wohnbevölkerung nicht zählen.
Im Jahr 2025 kamen 1.096 Pfleger neu in die Schweiz (Saldo: +708), im Vorjahr waren es 1.087 (+658). Bei Ärzten lag der Wert 2024 bei 1.785 Personen (Saldo: +694) und 2023 bei 2.022 (+1323). Obsan weist darauf hin, dass nicht klar ist, ob diese Berufe in der Schweiz beibehalten werden.
Laut Staatssekretariat für Migration (SEM) machten Pflegekräfte und Ärzte 1,1 % bzw. 1,8 % der neu eingewanderten Erwerbstätigen im Jahr 2024 aus. Diese Größenverhältnisse gelten auch für andere Jahre. Rund 97 % der erwerbstätigen Zuwanderer kamen also nicht in diesen Berufen.
Das SEM sieht die Obsan-Zahlen als unvollständig an und betont, dass viele Personen durch die Personenfreizügigkeit beruflich mobil sind. Im Jahr 2025 zogen etwa 6.000 Menschen aus dem «Medizin- und Gesundheitswesen» in die Schweiz ein – darin enthalten sind auch nicht-pflegerische Berufe.
Das SEM unterstreicht, dass derzeit viele Ausländer im Gesundheitsbereich arbeiten: Im Durchschnitt haben 21,8 % der Angestellten in Spitälern und Pflegeheimen einen ausländischen Abschluss. In Grenzkantonen liegt dieser Anteil höher.
Die Analyse von Abstimmungskampagne und Gesundheitswesen zeigt: Die Schweiz ist abhängig von ausländischem Personal, doch der Anteil neuer Pfleger oder Ärzte ist im Vergleich zur gesamten Zuwanderung gering. Bei Annahme der Initiative könnten zwischen 3.000 (nach Obsan) und 6.000 Personen (nach SEM) weiterhin einwandern. Der größere Teil der Zuwanderer entfällt auf andere Branchen wie Planung, Beratung, Informatik mit über 23.000 Personen.
Zusammengefasst: Die Schweiz könnte bei einer Fokussierung auf Gesundheitspersonal weiterhin notwendige Fachkräfte anziehen. Die Kampagnenbilder der Gegner wirken daher etwas dramatisiert.