Die Ausbreitung künstlicher Intelligenz (KI) im Arbeitsleben verlangt nach einer neuen Terminologie, um das Gefühl zu beschreiben, das aufkommt, wenn man auf eine ausführliche Antwort eines Chatbots stößt. Ob es sich um Marktanalysen oder rechtliche Präzedenzfälle handelt: Man vermutet oft Ungenauigkeiten in den Antworten und steht vor einer Entscheidung – entweder die KI-Antwort kritiklos zu akzeptieren oder die Informationen gründlich zu prüfen.
In vielen Berufen wird der Einsatz von KI als Weg zur Effizienzsteigerung gesehen. Doch hinterfragt man genau, so offenbart sich ein komplexeres Bild: Die vermeintliche Produktivität durch maschinelle Unterstützung ist nicht so klar definiert.
Der Gedanke, dass Wissensarbeit bald wie Wasser oder Strom aus Datenzentren bezogen werden kann, ist verlockend. Sam Altman von Open AI vergleicht die zukünftige Nutzung von Intelligenz mit diesen essentiellen Ressourcen. Trotzdem bleibt das Versprechen unerfüllt: Intelligenz ohne menschliches Zutun existiert nicht, und echte Produktivität kann nicht allein durch Wortmengen gemessen werden.
Recherche mit KI bietet keine Entstehungsgeschichte oder Standpunkte. Ein Bericht eines Menschen beinhaltet Überlegungen, Vertrauen in Quellen und eine persönliche Perspektive. Im Gegensatz dazu sind KI-Antworten oft inhaltsleer und ohne spezifischen Fokus.
KI hat durchaus ihre Berechtigung: Maschinelles Lernen spielt bei der Entschlüsselung von Proteinen eine wesentliche Rolle, wie Alpha Fold zeigt. Generative KIs können Informationen schnell zusammenfassen oder überblicken – jedoch mit dem Nachteil, dass sich Nutzer immer mehr abhängig machen und kreativ weniger produktiv werden.
Der Vergleich von KI mit Taschenrechnern ist irreführend: Während ein Taschenrechner verlässlich ist, beinhalten KI-Ergebnisse oft Fehler. Generative KIs ersetzen breit angelegte Fähigkeiten und können zum Verlernen kritischen Denkens führen.
Eine Studie der University of Pennsylvania zeigt, dass Menschen in vielen Fällen falsche KI-Antworten übernehmen, ohne zu hinterfragen. Dieser Trend zur kognitiven Kapitulation wird verstärkt durch die Präsentation von KIs als Autoritätspersonen.
KI könnte genutzt werden, um eigene Denkprozesse zu hinterfragen, doch das erfordert aktive Anstrengung. Oft übernimmt sie repetitive Aufgaben, während der Mensch strategische Entscheidungen treffen soll. Diese Dynamik funktioniert nur bei Aufgaben mit schneller Prüfbarkeit.
Die Zeitersparnis durch automatisierte E-Mail-Antworten verdeckt die darin enthaltenen Entscheidungsmomente. In allen Berufen führt der Einsatz von KI zu einem Verlust an Urteilskraft und Macht.
Besonders deutlich wird das in militärischen Anwendungen, wo KIs Ziele vorschlagen, aber menschliche Überprüfung entscheidend ist. Auch wenn die Folgen nicht immer dramatisch sind, bedeutet der Einsatz von KI immer einen Verlust an individueller Urteilskraft.
Das Gefühl, das sich einstellt, wenn man die Denkarbeit an KI auslagert, beschreibt das Unbehagen über mittelmässiges Wissen und den Verlust eines wertvollen menschlichen Elements. Für dieses Gefühl muss noch eine passende Bezeichnung gefunden werden.