Für Anfänger an der Börse kann die Furcht vor finanziellen Einbußen überwältigend sein. Diese Gefühle sollten jedoch nicht den Investitionsprozess beeinträchtigen. Es ist entscheidend, typische Fehler zu erkennen und zu vermeiden.
Die geopolitische Unsicherheit – geprägt durch den Iran-Krieg, steigende Ölpreise und Zolldrohungen aus den USA – lässt selbst erfahrene Anleger nervös werden. Neulinge sind noch stärker betroffen. Seit der Corona-Pandemie 2020 gab es immer wieder Korrekturen an den Märkten: 2022 nach dem Ukraine-Krieg, 2025 beim sogenannten Liberation Day und zuletzt wegen des Iran-Konflikts. Dennoch blieb ein schwerer Crash seit 2008/09 aus.
Matthias Geissbühler von Raiffeisen Schweiz betont: «Viele Anleger haben verlernt, mit Verlusten umzugehen.» Eine zukünftige mehrjährige Korrektur ist möglich, doch eine gut geplante Strategie kann einen Absturz abfedern.
Eine Studie der Universität Luzern im November 2025 ergab, dass die Angst vor Verlusten ein Hauptgrund dafür ist, warum viele nicht investieren. Geschlecht und Alter spielen dabei eine Rolle: Zwei Drittel der befragten Frauen sind ängstlich, bei Männern nur knapp über ein Drittel. Auch in der Westschweiz herrscht mehr Zurückhaltung. Jüngere Menschen sind tendenziell weniger angstgetrieben.
Erfahrung spielt beim Umgang mit Verlusten eine zentrale Rolle, so Thorsten Hens von der Universität Zürich. Er erklärt: «Wir lernen adaptiv» – ein Kind verbrennt sich nicht zweimal an einer Herdplatte. Ähnlich verhält es sich am Markt: Ein erster Verlust kann dazu führen, dass Anleger lange fernbleiben.
Daniel Kahneman und Amos Tversky haben in Experimenten gezeigt, dass Menschen den Schmerz über einen Verlust stärker empfinden als die Freude über Gewinne – ein Phänomen der sogenannten «Verlustaversion». Diese wird mit dem Faktor 1:2 quantifiziert.
Anleger tendieren dazu, steigende Wertpapiere vorzeitig zu verkaufen und fallenende Aktien zu lange zu halten, in der Hoffnung auf eine Erholung. Adriano Lucatelli bemerkt oft, dass Anleger nachkaufen, um ihren Einstiegspreis wiederzuerlangen – ein riskantes Manöver.
Verluste sind unvermeidbar, aber mit klugen Strategien abfedern möglich. Regelmäßige Investitionen in diversifizierte ETFs können das Risiko über die Zeit verteilen und verhindern, dass zu viel Kapital auf einmal falsch platziert wird.
Diversifikation hilft, Verluste abzuschwächen: Wenn eine Region oder Branche schwächelt, kann ein breit gefasster Fonds dies ausgleichen. Dennoch sind junge Anleger anfällig für Spekulationsblasen, beeinflusst durch soziale Medien und Finfluencer.
Anleger sollten auch bei starkem Kursrückgang emotionslos bleiben. Matthias Geissbühler rät, Investitionsziele klar zu definieren. Verluste anzuerkennen ist Teil des Prozesses, aber nicht der Grund für einen kompletten Rückzug vom Markt.
Regelmäßige Überprüfungen des Portfolios sind wichtig; es gibt keine festen Regeln zum Trennen von schlecht performenden Wertpapieren. Geissbühler rät, sich zu fragen, ob man die Papiere heute noch kaufen würde – wenn nicht, sollte man sie verkaufen.
Ein Beispiel für Alternativen bietet Novo Nordisk, der trotz eines Drittelverlusts im Bereich der Fett-weg-Medikamente weiterhin interessant ist. Lucatelli hilft Kunden nach schlechten Beratungen mit Verlusten umzugehen – ein schwieriges Thema, aber letztlich eine wertvolle Erfahrung.