Nach einem Jahr im Amt weist Friedrich Merz die niedrigste Zustimmung unter deutschen Kanzlern seit fast drei Jahrzehnten auf. Nur 16 Prozent der Befragten sind mit seiner Arbeit zufrieden oder sehr zufrieden, wie regelmäßig aktualisierte Umfragen zeigen.
Im Vergleich: Angela Merkel erhielt nach einem Jahr ihrer ersten Amtszeit 47 Prozent Zustimmung, während Olaf Scholz und Gerhard Schröder jeweils bei 36 Prozent lagen. Diese Daten stammen von Infratest Dimap, die seit 1997 erhoben werden.
Merz startete mit schwachen Werten und verlor an Popularität, ohne je die Zustimmungsraten seiner Vorgänger zu erreichen. Die Forschungsgruppe Wahlen bestätigt diese Ergebnisse; ihre Datenreihe zeigt ebenfalls Merz’ geringe Beliebtheit nach einem Jahr im Vergleich zu Merkel und Scholz.
Die Unzufriedenheit beschränkt sich nicht nur auf den Kanzler selbst. Die schwarz-rote Koalition aus CDU/CSU und SPD ist ebenso unbeliebt wie keine andere Bundesregierung seit Beginn des “Deutschlandtrends” im Jahr 1997.
Die Unzufriedenheit spiegelt sich auch in der Sonntagsfrage wider, bei der die Union und SPD deutlich an Zustimmung verloren haben. Derzeit würde eine Mehrheit für Schwarz-Rot nicht mehr zustande kommen; stattdessen liegt die AfD vor der CDU/CSU.
Im aktuellen “Deutschlandtrend” lehnt eine relative Mehrheit der Wahlberechtigten ein weiteres Miteinander von Union und SPD bis zum Ende der Legislaturperiode ab: 49 Prozent wünschen sich ein vorzeitiges Ende, während nur 44 Prozent für die Fortsetzung sind. Die nächste reguläre Bundestagswahl wäre 2029, vorausgesetzt, die Koalition hält so lange.
Zahlreiche Befragte zweifeln daran, dass die Regierung zentrale Herausforderungen bewältigen kann. Insbesondere in Wirtschafts- und Sozialpolitik ist das Vertrauen gering. Der öffentliche Dauerstreit zwischen Union und SPD verstärkt den Eindruck einer ungeschlossenen Regierungsarbeit.
Merz steht somit vor einem größeren Problem als die Unzufriedenheit mit seiner individuellen Arbeitsweise. Er begann seine Kanzlerschaft mit dem Versprechen, die Wirtschaft zu stärken und Migration besser einzudämmen, doch nach einem Jahr dominiert der Eindruck eines ineffektiven Handelns und unzureichender Kommunikation der Regierung.