Chuan Juntar steht auf dem staubigen Boden seines brachliegenden Reisfeldes. Der 77-jährige Kleinbauer wohnt in Suphanburi, etwa zwei Stunden Autofahrt von Bangkok entfernt. Während die Regenzeit naht, ist dies eigentlich die Zeit für die Aussaat.
Dieses Jahr sieht jedoch anders aus. Juntar hat noch keinen Dünger erworben und zeigt auf einen zerknitterten Zettel mit seinen händisch notierten Kosten. “So hoch waren die Preise noch nie”, sagt er und fährt fort: “Das ist bisher das Schlimmste.” Er zählt seine Ausgaben auf: den Traktor, die Pacht des Landes, Arbeiterlöhne sowie gestiegene Dieselpreise und nun auch teuren Dünger. Er plant, kostengünstigere Mischungen zu kaufen, doch diese sind in den letzten Monaten um rund ein Drittel verteuert worden. “Alles ist teurer geworden, aber der Reispreis hat sich kaum erhöht. Es lohnt sich nicht mehr für mich”, meint Juntar.
In der Nähe führt Somboon Sisuantang, ein Düngemittel-Zwischenhändler, durch seine Lagerhallen und zeigt einige wenige Harnstoff-Dünger-Säcke in einer Ecke. “Seit dem Iran-Krieg haben alle Hersteller ihre Preise erhöht”, erläutert Somboon. Er sieht sich gezwungen, diese Kosten an die Bauern weiterzugeben.
Vor dem Krieg importierte Thailand große Mengen Düngemittel aus der Golfregion. “Normalerweise kamen 60 bis 70 Prozent des Harnstoff-Düngers aus Saudi-Arabien”, erklärt Somboon, fügt aber hinzu: “In den letzten Monaten war kein Harnstoff mehr erhältlich.” Die Lieferketten sind unterbrochen. Zudem hat China, ein weiterer großer Produzent, den Export von Düngemitteln stark eingeschränkt, um die eigene Landwirtschaft zu schützen.
Die Auswirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion könnten sich in mehreren Monaten zeigen, wenn die Ernte durch reduzierten Düngereinsatz geringer ausfällt. Die Lage ist kein Einzelfall. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen schätzt, dass die verschiedenen Folgen des Nahostkonflikts dieses Jahr weltweit 45 Millionen Menschen in akute Hungersnöte stürzen könnten. Somboon äußert seine Besorgnis: “Wenn sich die Situation weiter so entwickelt, wird es für den Agrarsektor in Thailand sehr schwierig.”
Auf seinem Feld hat Chuan Juntar eine Entscheidung getroffen. Trotz hoher Kosten will er auch dieses Jahr Reis anbauen, wenn auch mit weniger Dünger. “Unsere Nachbarn machen weiter”, sagt er seufzend, “obwohl wir damit wohl kein Geld verdienen werden.” Lässt er das gepachtete Land brachliegen, überwuchert es, und die Pacht muss bezahlt werden.