Mit über 130’000 als vermisst geltenden Personen steht Mexiko vor einem massiven Problem. Viele dieser Menschen sind vermutlich Opfer von Gewaltverbrechen, und ihre Familien suchen oft jahrelang nach ihnen. Auf Druck der Vereinten Nationen hat die mexikanische Regierung nun einen Bericht vorgelegt. Die in Mexiko-Stadt tätige Journalistin Flurina Dünki, die unter anderem in internationalen NGOs zu Gewalt gegen Kinder und sozialer Ungleichheit arbeitete, analysiert die Hintergründe. Dünki erläutert: Der Bericht liefere kaum neue Erkenntnisse. Die Regierung unter Präsidentin Claudia Sheinbaum gibt an, dass von den über 130’000 Vermissten Lebenszeichen für rund 40’000 Menschen vorliegen, etwa aus Steuer- oder Impfdatenbanken. Diese Aussagen deuten darauf hin, dass Sheinbaum bestrebt ist, die Zahl der Vermissten zu minimieren. Familien in Mexiko suchen häufig selbst nach ihren verschwundenen Angehörigen und werden nicht genügend vom Staat unterstützt. Viele Eltern müssen der Polizei Hinweise geben, damit diese aktiv wird; Fälle werden oft schnell eingestellt. Sheinbaum verspricht zwar die Bereitstellung staatlichen Sicherheitspersonals für suchende Familien, ohne jedoch aufzuzeigen, warum der Staat seine Pflichten vernachlässigt. Die Regierung scheint das Problem herunterzuspielen und zeigt wenig Interesse an echter Aufklärung. Sheinbaum betont die Verantwortung des organisierten Verbrechens und schließt ein Dazutun des Staates aus, was auf einen defensiven Umgang mit kritischen Fragen hindeutet. Warum kommt es bei der Suche nach Vermissten nicht voran? Auch Sheinbaums Vorgänger Manuel López Obrador hatte versprochen, mehr zu unternehmen – etwa im Fall von 43 verschwundenen Studenten, deren Verschleppung durch Militär und Polizei belegt ist. Nach Druck des Militärs aber ließ er seine Bemühungen fallen. Gibt es Hoffnung auf Verbesserung? Ohne Veränderungen in der Regierung scheint wenig möglich. Das komplexe Korruptionsnetzwerk schreckt vor tiefgreifenden Maßnahmen zurück. Die UNO verdächtigt Mexiko, das Verschwindenlassen systematisch zu betreiben und könnte das Thema vor die Generalversammlung bringen – ein Druckmittel für Sheinbaum. Das Interview führte Nicolas Malzacher. SRF 4 News aktuell, 1. April 2026, 6:25 Uhr.