Mit dem Weggang von Torsten Friedrich endet eine umstrittene Phase der Migros-Tochter Denner. Der deutsche Discounter Lidl, bekannt für seine Erfolge auf dem Markt, hatte mit Friedrich einen erfahrenen Manager engagiert, um die Marke neu auszurichten. Mit drei Jahren Leitung des Schweizer Geschäfts bei Lidl und über zwanzig Jahren Branchenerfahrung wurde er 2025 als Hoffnungsträger an die Spitze von Denner geholt.
Trotz hoher Erwartungen erfüllte sich der erhoffte Erfolg nicht. Schon ein Jahr nach Friedrichs Amtsantritt entschied man sich in der Migros für externe Unterstützung durch den Krisenexperten Alix Partners, um Kosten zu senken und Strukturen neu auszurichten. Die Zusammenarbeit mit dem Beratungshaus mündete in einem Wechsel an der Spitze von Denner: Friedrich verließ das Unternehmen nur ein Jahr nach seinem Start.
Jetzt steht Michel Gruber im Mittelpunkt, der seit fünf Jahren die Migros-Handelsabteilung führt und als Verwaltungsratspräsident auch bei Denner involviert ist. Nach Friedrichs Weggang übernahm er zusätzlich die interimistische Führung des Discounters. Der Walliser Manager, bekannt für seine analytischen Fähigkeiten, verantwortet einen bedeutenden Konzernteil mit einem Umsatz von 9 Milliarden Franken.
Unter Friedrich war Denner durch Marketinginitiativen wie Eishockey-Sponsoring sichtbarer, doch konnten die Geschäftszahlen nicht stabilisiert werden. Der Betriebsgewinn schrumpfte drastisch auf ein Fünftel des Vorjahreswertes. Zudem stießen Friedrichs Entscheidungen für Rabattaktionen und Kunden-App-Projekte bei der Konzernzentrale auf Kritik.
Gruber steht nun vor der Herausforderung, Denner ohne Verkauf zu stabilisieren und seine Rolle im Migros-Konzern neu zu definieren. Er verfügt zwar nicht über direkte Erfahrung im Discountgeschäft, kennt aber den Detailhandel gut. In seiner Zeit bei Valora war er für das Kioskgeschäft zuständig.
Die Migros plant keine sofortige externe Neubesetzung an der Spitze von Denner; Gruber führt die Geschicke “bis auf weiteres” ad interim. Der Verwaltungsrat wird sich in Ruhe über eine langfristige Nachfolgelösung Gedanken machen, während die Umsetzung der bestehenden Strategie nun mit höherem Tempo vorangetrieben werden soll.