Israels Wirtschaft zeigt bemerkenswerte Resilienz, mit starkem Wachstum und einer stabilen Landeswährung, während der Aktienmarkt neue Höchststände erreicht. Doch bürokratische Hürden und hohe Lebenshaltungskosten stellen ernsthafte Bedrohungen für diese Erfolgsgeschichte dar.
Trotz fast dreijähriger militärischer Konflikte zieht die Börse weiter an, die Landeswährung ist so stabil wie seit Jahren nicht, und das Wirtschaftswachstum übertrifft das vieler westlicher Nationen. Die israelische Zentralbank musste jedoch ihre Wachstumsprognosen für das laufende Jahr nach unten korrigieren, bleibt aber bei einer Erwartung von 3,8 Prozent. Zum Vergleich: Für die Schweiz wird ein Plus von 1 Prozent und für die EU von 1,3 Prozent erwartet.
Zvi Eckstein sieht den Hightechsektor als zentralen Wachstumstreiber Israels. Trotz militärischer Auseinandersetzungen haben Unternehmen wie Google, Meta oder Nvidia ihre Investitionen ausgeweitet. Der Digitalwirtschaftssektor trägt mit rund 57 Prozent zu den israelischen Exporten bei und hat im Jahr 2025 die beiden größten Auslandsinvestitionen der Geschichte verzeichnet, beide im Bereich Cybersicherheit: Google kaufte Wiz für 32 Milliarden Dollar, Palo Alto Networks übernahm Cyber-Ark für 25 Milliarden.
Etwa ein Drittel der Steuereinnahmen stammen laut Eckstein aus dem Technologiesektor. Auch die traditionelle Industrie ist gut ausgelastet, insbesondere der Rüstungssektor, mit bedeutenden Aufträgen von europäischen Ländern für Unternehmen wie Rafael, IAI und Elbit. IAI hat zuletzt einen Vertrag über 6,5 Milliarden US-Dollar zur Lieferung des Raketenabwehrsystems Arrow an die Bundeswehr abgeschlossen.
Das dauerhafte Krisengefühl hemmt das Wachstum: “Jedes Jahr fehlen etwa anderthalb bis zwei Prozentpunkte”, so Eckstein. Militärische Einsätze führen zu Personalmangel, und der internationale Flughafen war über Wochen geschlossen. Die Ausgaben für den Krieg belaufen sich auf rund 140 Milliarden Dollar seit 2023.
Die Regierung hat die Verteidigungsausgaben um vier Prozentpunkte erhöht. Trotz historisch hoher Militärausgaben im Vergleich zum Bruttoinlandprodukt, liegt die Staatsverschuldung mit rund 70 Prozent niedriger als in vielen europäischen Ländern oder den USA.
Eckstein ist jedoch skeptisch gegenüber der Aktienmarktentwicklung: “Der israelische Markt wirkt wie eine Blase.” Die Tourismusbranche leidet besonders, da internationale Gäste ausbleiben und die Unvorhersehbarkeit der Lage Hotels vor Herausforderungen stellt.
Die hohen Lebenshaltungskosten belasten das Land zusätzlich. Sarit Menahem-Carmi sieht in falschen Politiken den Hauptgrund für diese Entwicklung, insbesondere im Bereich Agrarpolitik und Überregulierung. Diese Faktoren stellen ein Risiko dar, da sie die Abwanderung gut ausgebildeter Fachkräfte fördern könnten, was langfristig Israels Wohlstand bedroht.