Zum ersten Mal gastiert das Opernorchester von Zürich in der Elbphilharmonie und erhält großes Lob für seine mitreißende Aufführung des Verdi-Requiems unter der Leitung ihres Generalmusikdirektors Gianandrea Noseda. Die Eröffnung der Elbphilharmonie jährt sich 2027 zum zehnten Mal, und seit ihrem Debüt am 11. Januar 2017 hat sie Hamburgs Image als führende Konzerthauptstadt gefestigt – im Gegensatz zur innerdeutschen Konkurrenz München, die mit ihren eigenen Saalprojekten zu kämpfen hat.
Seit der Renovation der Tonhalle in Zürich 2021 steht dort vorerst kein neuer Konzertsaal zur Diskussion. Jedoch leidet das Opernorchester unter den akustischen Bedingungen im Opernhaus und tritt zunehmend in der Tonhalle auf, um seine Präsenz zu stärken. Die erste internationale Tournee führte nun zum Debüt in der Elbphilharmonie.
In zwei ausverkauften Abenden präsentierte das Orchester unter Noseda Verdis Messa da Requiem sowie ein weiteres Programm mit der Sopranistin Regula Mühlemann. Die Wahl fiel auf Werke, die den musikalischen Qualitäten des Ensembles besondere Geltung verschaffen.
Das Opernhaus in Zürich wird im Februar und März mehrere Aufführungen von Christian Spucks Ballettversion von 2016 zeigen – ein Stück, das durch seine detailreiche Dramaturgie beeindruckt. Noseda setzt auf fließende und dennoch organisch atmende Tempi, was der Requiem-Aufführung eine illusionslose Härte verleiht.
Der Opernchor Zürich, unter der Leitung von Ernst Raffelsberger, zeigt das gesamte Ausdruckspektrum – vom tonlosen Flüstern bis zum verzweifelten Schrei im Libera me. Die Solisten Marina Rebeka, Agnieszka Rehlis, Joseph Calleja und Alexander Vinogradov verkörpern individuelle Charaktere, was der Aufführung einen opernhafte Note verleiht.
Noseda begegnet dem Diskurs über das Opernhafte im Verdi-Requiem mit Leidenschaft und Drastik – eine Herangehensweise, die beim Publikum auf große Begeisterung stößt.