Rom hat die Entwicklung innerhalb der deutschen katholischen Kirche, Segnungen für homosexuelle Paare zu ermöglichen, ausdrücklich kritisiert. Papst Leo XIV. äußerte sich während seiner Rückreise von einer Afrika-Reise und betonte, dass formelle Segnungen solcher Paare nicht genehmigt seien, wobei er die staatliche Ehe für alle ausklammerte und auf interne kirchliche Praktiken abzielte. Diese Kritik richtet sich gegen die von Papst Franziskus 2023 mit dem Dokument «Fiducia supplicans» gewährte Flexibilität, Segnungen in nicht regulären Lebenssituationen zuzulassen, solange sie nicht ritualisiert werden.
Der sogenannte Synodale Weg hatte innerhalb der deutschen Kirche Diskussionen über Segensfeiern für unverheiratete Paare entfacht. 2025 veröffentlichte die Deutsche Bischofskonferenz gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken das Papier «Segen gibt der Liebe Kraft», was Reformbefürworter als Umsetzung von Franziskus’ Erlaubnis sahen. Konservative Kritiker bemängeln jedoch eine zunehmende Institutionalisierung.
Einige Bistümer wie München und Freising, geleitet von Kardinal Reinhard Marx, unterstützen die Handreichung aktiv, während konservativ geführte Diözesen wie Köln oder Regensburg zurückhaltender agieren. Kardinal Rainer Maria Woelki aus Köln, der sich gegen institutionalisierte Segensspenden ausspricht, betonte in einem Gespräch mit der NZZ die Wichtigkeit eines einheitlichen Vorgehens und der Anerkennung aller Menschen.
Eine deutliche Spaltung innerhalb der deutschen Kirche ist erkennbar: Einige Bistümer sehen Segnungen als Chance zur Öffnung, andere befürchten eine Abweichung von kirchlichen Lehren. Die Deutsche Bischofskonferenz hält sich bisher zurück und kommentiert das Thema nicht, obwohl der Vorsitzende Georg Bätzing zuvor die Übereinstimmung mit Rom betont hatte.
Papst Leo XIV.s Kritik während seiner Afrika-Reise ist bemerkenswert, da dort das Christentum stark wächst und traditionell gegen Öffnung in Bezug auf gleichgeschlechtliche Paare steht.