Während des Iran-Konflikts entlässt der US-Verteidigungsminister Pete Hegseth den Stabschef des Heeres sowie weitere hochrangige Offiziere, ohne Gründe zu nennen. Seit Monaten säubert er das Pentagon von Generälen, die seine Ansichten nicht teilen oder ihm als unloyal gelten.
Innerhalb eines Jahres hat Hegseth bereits über 20 Admiräle und Generäle ihres Amtes enthoben. An diesem Donnerstag folgte der vorzeitige Ruhestand des Stabschefs des Heeres, Randy George. Ebenso entließ er General David Hodne, den Leiter des Ausbildungskommandos der Armee, sowie Generalmajor William Green, den Chef der Armeeseelsorge.
“Den Stabschef der Armee mitten in einem Krieg ohne triftigen Grund fallen zu lassen, ist selbst nach Hegseths Maßstäben ein verantwortungsloses Manöver”, kommentierte Tom Nichols vom “Atlantic”, ehemaliger Professor am Naval War College. George habe den Verteidigungsminister nie öffentlich kritisiert, obwohl er dazu gute Gründe gehabt hätte, so Nichols.
Unklar bleibt, ob Georges Entlassung auf seine Ablehnung einer möglichen Bodenoperation im Iran zurückzuführen ist. Die “New York Times” spekuliert jedoch über Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Personalpolitik. Hegseth hatte George monatelang gedrängt, vier Offiziere von der Beförderungsliste zu streichen – zwei Afroamerikaner und zwei Frauen. Der Stabschef lehnte dies unter Berufung auf deren hervorragende Leistungen ab. Ein geplantes Treffen mit Hegseth zur Klärung des Sachverhalts wurde dem Offizier verweigert.
Kürzlich hob Hegseth zudem eine Untersuchung gegen Helikopterpiloten der Armee auf, die in Nashville Demonstranten überflogen und danach zum Haus von Kid Rock flogen. Der Sänger, ein Trump-Anhänger, postete Videos dieser Ereignisse. “Keine Bestrafung, keine Untersuchung. Macht weiter so, Patrioten”, schrieb Hegseth daraufhin.
Es gilt als unwahrscheinlich, dass der Helikopter-Vorfall zur Entlassung von George führte. Dieser hat eine beeindruckende Laufbahn hinter sich: Er war schon im Golfkrieg 1991 aktiv und diente später im Irak und Afghanistan. Biden nominierte ihn 2023 zum Stabschef, nachdem er ein enger Berater des Verteidigungsministers Lloyd Austin gewesen war. Hegseth sieht in vielen der von ihm entlassenen Generäle eine zu starke Verbindung zur Biden-Regierung.
Hegseth ist überzeugt, dass die demokratischen Regierungen unter Obama und Biden das Militär durch Förderung diverser Gruppen geschwächt haben. Er glaubt, dass die USA in Afghanistan oder Irak aufgrund der Rücksichtnahme auf Kriegsvölkerrecht verloren hätten. In seinen Augen führte dies zu unnötigen Einschränkungen im Kampfeinsatz. Hegseth schreibt über einen “Krieg gegen die eigenen Krieger”.
Hegseths Ziel sei es, das Pentagon von Personen mit einer als “zu woken” geltenden Haltung zu säubern. Der Kolumnist Nichols sieht darin auch eine Strategie, das Militär politisch zu instrumentalisieren: “Trump und Hegseth verfolgen die klare Mission, das US-Militär zu politisieren und es in einen Arm der Maga-Bewegung umzuwandeln.”