Viktor Orbans Position an der Macht erschien lange unangreifbar, doch Peter Magyar hat diese Hürde überraschend genommen. Wie gelang ihm dies trotz Orbans struktureller Vorteile? Hier sind sieben Gründe: Seit sechzehn Jahren regierte Viktor Orban Ungarn und gestaltete es zu einer „illiberalen Demokratie“, insbesondere nach seiner Abwahl im Jahr 2002. Er reformierte das Wahlrecht zugunsten der Fidesz-Partei, beeinflusste Medien und Institutionen. Doch trotz dieser Maßnahmen gelang Magyar der politische Aufstieg. Die Grenzen von Orbans Wirtschaftspolitik wurden in den letzten Jahren offensichtlich: Nach einem anfänglichen Erfolg bei der Reindustrialisierung stagniert Ungarn seit 2022, wobei die Automobilbranche und ausbleibende EU-Gelder Probleme darstellen. Die höchste Inflation in der EU verschärfte Unzufriedenheit unter den Bürgern. Von 199 Parlamentssitzen werden 106 direkt gewählt, was Fidesz lange Zeit Vorteile brachte. Doch Magyars Partei Tisza erzielte bei der Europawahl 2024 etwa 30 Prozent der Stimmen, während die Opposition weiter zerstritten blieb. Anstatt mit anderen Parteien zu debattieren, verzichtete Magyar auf deren Teilnahme an den Wahlen und positionierte sich als einziger Gegner Orbans. Linke Wähler unterstützten ihn strategisch gegen Orbans Regierung. Magyar besuchte in den letzten zwei Jahren intensiv die Provinzen, sprach Orbans Stammwähler direkt an und vermied ideologische Themen wie Migration oder LGBT-Rechte. Stattdessen fokussierte er sich auf Alltagsprobleme und versprach bessere staatliche Leistungen durch den Einsatz von veruntreutem Geld. Magyar nutzte Orbans Russland-Allianz geschickt aus, wobei Enthüllungen über russische Einflussnahme viele beunruhigten. Sein Slogan „Russen, geht nach Hause“ rief an seine Siegesfeier Erinnerungen an den Volksaufstand von 1956 hervor. Als kompetenter Kommunikator und mit historischer Symbolik erreichte Magyar die Menschen auf emotionaler Ebene, während er gleichzeitig eine Verbindung zur Bevölkerung herstellte. Sein unerschütterliches Selbstvertrauen trug dazu bei, seine Anhänger zu mobilisieren. Eine Generation von Wählern, die nur unter Orbans Führung lebte, sehnte sich nach Veränderung. Junge Menschen spielten eine große Rolle in Magyars Kampagne. Der Fidesz scheint die Jugend nicht mehr zu verstehen, was die hohe Wahlbeteiligung erklärt. Im Internet entstand eine Gegenöffentlichkeit gegenüber der Regierungspropaganda. Magyar nutzte diese Plattformen effektiv, besonders seine viralen Interviews. Orban versuchte, auf diesen Trend zu reagieren, doch ihm fehlten die Authentizität und Anziehungskraft. Orbans Kampagne blieb in der Vergangenheit verhaftet, während Magyar neue Wege ging. Angstpropaganda wirkte nicht mehr, da viele Ungarn keine unmittelbare Bedrohung sahen. Magyars Sieg symbolisiert eine Veränderungswelle.