Die Entdeckung von PFAS-Konzentrationen in der Appenzeller Milch hat weniger für Überraschungen als vielmehr für die Schwere des Problems gesorgt. In einem freiwilligen Test meldeten sich 169 Betriebe aus Ausserrhoden, wobei bei 58 Fällen gemessene PFAS-Werte über dem EU-Richtwert lagen. Auch in Appenzell Innerrhoden betraf es etwa ein Viertel der untersuchten Höfe, mit teils erheblichen Überschreitungen. Für den Ausserrhoder Bauernverband markiert die Untersuchung zwar einen ersten Schritt, doch wie Verbandspräsident Beat Brunner gegenüber SRF betonte, bleiben viele Fragen offen: etwa, welche Futtermittel Kühe erhalten sollen, wenn eigenes Gras und Heu kontaminiert ist oder was mit den verseuchten Böden geschehen soll. Zudem stellt sich die Frage nach möglicher Entschädigung für betroffene Betriebe.
Ein zentrales Thema ist der künftige PFAS-Höchstwert für Lebensmittel, da die EU ab 2027 solche Grenzwerte plant. Sollten diese auch in der Schweiz gelten, könnten kontaminierte Milchprodukte und Käse nicht mehr vermarktet oder exportiert werden – eine existenzbedrohende Situation, wie Brunner hervorhebt. In Appenzell Ausserrhoden sei die Milchwirtschaft oft die einzige sinnvolle Nutzungsform des Landes.
Trotz der Herausforderungen sieht Brunner auch Hoffnung: Dank der Untersuchungsergebnisse haben viele Betriebe jetzt Klarheit. Sie müssten nun Maßnahmen ergreifen, um die PFAS-Belastung zu reduzieren – mit Unterstützung des Kantons durch Boden- und Wasseruntersuchungen. Betroffene müssen Zeit zur Anpassung ihres Betriebes erhalten; Verbandspräsident Brunner erläutert, dass eine vollständige Umstellung bis zu einem Jahr dauern kann.
Brunner fordert von der Politik ein abgestimmtes Vorgehen zur Klärung der Ursachen und die Festlegung verbindlicher Regeln. Die Bauern benötigten praktikable Lösungen. Regionaljournal Ostschweiz, 26.3.2026, 17:30 Uhr