Die Venedig Biennale, eine der bedeutendsten Kunstausstellungen weltweit, steht kurz vor ihrer Eröffnung. Stattdessen wird die Veranstaltung von politischen Debatten und diplomatischen Spannungen dominiert, anstatt sich auf zeitgenössische Kunst zu konzentrieren. Die geplante Rückkehr russischer Künstlerinnen und Künstler nach vier Jahren Ausschluss wegen des Ukraine-Kriegs hat den Konflikt verschärft. Als Reaktion darauf trat die gesamte Jury zurück. Radio SRF-Italienkorrespondent Franco Battel, der seit 2024 wieder in dieser Funktion tätig ist, berichtet über die Entwicklungen.
Franco Battel war zwischen 2015 und 2021 Korrespondent für Italien und den Vatikan aus Rom. Vorher hatte er als Auslandredaktor für Mexiko, Zentralamerika, Kuba und Liechtenstein gearbeitet. Die Jury trat zurück, um zu verhindern, dass Russland oder Israel bei der diesjährigen Biennale Preise wie den Silbernen oder Goldenen Löwen erhalten würden. Ihre Begründung: Beide Regierungen werden von Kriegsverbrechen beschuldigt.
Die Entscheidung führte zu Protesten, insbesondere von der israelischen Regierung, die Antisemitismusvorwürfe erhob. Diese Kontroverse resultierte im Rücktritt der gesamten Jury. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Kulturminister Alessandro Giuli lehnten die russische Teilnahme ab; Vizepremier Matteo Salvini von der Lega begrüßte sie jedoch.
Obwohl die Biennale rechtlich unabhängig ist, könnte die EU ihre Subventionen streichen. Die Direktion versucht nun, diese zu retten, indem sie eine russische Performance bereits vor dem offiziellen Start der Biennale stattfinden lässt – ein Zug, der das Eis nicht brechen wird.
Direktor Pietrangelo Buttafuoco betont die Notwendigkeit eines dialogorientierten und inklusiven Raums. Er erhält Unterstützung von Ex-Bürgermeister Massimo Cacciari. Dennoch herrscht Uneinigkeit darüber.
Die diesjährige Biennale hat sich durch politische Auseinandersetzungen erheblich verändert, sodass die Kunst in den Hintergrund rückt. «La Repubblica» kommentiert, dass die Öffnung für Russland zu einer möglichen Schließung der Ausstellung führen könnte. Ein treffender Kommentar.
Rendez-vous, 01.05.2026, 12:30 Uhr
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