Ein Blick auf einen Ostergottesdienst offenbart, dass der Glaube vielen Menschen Halt gibt, selbst wenn Zweifel lauter werden. Die katholische Kirche in Affoltern am Albis zeigt sich an diesem Tag bis zum letzten Platz gefüllt. Die Osterbotschaft vermittelt Hoffnung, besonders während schwieriger Perioden.
Astrid Schmid, eine Rentnerin aus Affoltern am Albis, gibt zu, dass sie gelegentlich ihre Glaubensfähigkeit in Frage stellt: «Und doch, wenn ich wieder in der Kirche bin und in mich hineingehe, dann denke ich: ‹Nein. Es ist immer irgendwie weitergegangen›», beschreibt Schmid ihre Gedanken.
Siro Telli aus Dällikon (ZH) hegt keinerlei Zweifel an Gott. «Gott weiss, dass er für uns das Gute macht, auch in schwierigen Zeiten», betont der Kochlehrling am Ostersonntag und ist sich sicher, dass alles gut ausgehen wird.
Der Rentner Martin Marty aus Obfelden meint, dass bei jeder Person Zweifel auftreten können. «Ich finde, dass es das Beste ist, woran wir uns festhalten können», äußert er seine Überzeugung.
Ursula Gut betont ihren anhaltenden Glauben: «Ich versuche, den Heiligen Geist denen zu schicken, die es nötig haben – diesen Kriegstreibern», erklärt die Rentnerin aus Affoltern am Albis.
Luis Varandas, Priester und Generalvikar von Zürich und Glarus, berichtet, dass in den letzten Tagen viele Menschen mit ihm über ihre Zweifel sprechen: «Es gibt Situationen, in denen Menschen ins Zweifeln, ins Hadern kommen und sagen: ‹Gott, weshalb lässt du das zu?›», teilt er gegenüber SRF seine Beobachtungen.
Varandas erklärt weiter, dass viele von einem allmächtigen Gott ausgehen, der alles bewirken könne. Doch die Menschen seien frei und entscheiden sich entweder zum Guten oder Schlechten: «Und in dieser Freiheit entscheiden sich viele Menschen für das Gute zum Wohl der Mitmenschen, aber andere Menschen auch für das Schlechte», führt er aus.
Nicole Freudiger, SRF-Religionsexpertin, stellt fest, dass nicht unbedingt mehr Menschen in Krisenzeiten zur Kirche zurückkehren. Es gebe jedoch Unterschiede: «Menschen, die gläubig sind: ja, durchaus. Menschen, die nicht mit der Religion aufgewachsen sind: eher nein», erläutert Freudiger.
Studien von Religionssoziologen zeigen, dass Personen, die den Glauben in ihrem Alltag nicht praktizieren, auch in Krisenzeiten zur Religion nicht zurückfinden.
Tagesschau, 05.04.2026, 19:30 Uhr