In den USA herrscht Erleichterung nach der erfolgreichen Rettung des vermissten Offiziers, dessen Kampfjet vom Iran abgeschossen wurde. Die US-Armee hat damit einen zentralen Grundsatz eingehalten: «Niemand wird zurückgelassen». Dennoch waren die Risiken während der Mission hoch, da die Rettungsteams möglicherweise in Gefangenschaft geraten könnten.
Das iranische Regime hätte versucht, eventuelle Geiseln als Druckmittel bei Verhandlungen mit den USA einzusetzen. Diese Möglichkeit wurde jedoch vorerst abgewendet, doch das Risiko bleibt bestehen. Der Vorfall liefert zudem einen weiteren Beleg für die fragwürdige Glaubwürdigkeit einiger Aussagen des US-Präsidenten. Nur zwei Tage vor dem Abschuss eines US-Kampfjets hatte Donald Trump erklärt, über volle Lufthoheit im Krieg zu verfügen – eine Behauptung, die nun angezweifelt wird.
Die Trump-Regierung plant, diese Rettungsaktion zur Stärkung ihrer Position zu nutzen. Interessanterweise hat die Suche nach dem Vermissten die politischen Gräben zumindest kurzzeitig überdeckt, wenngleich sich in der medialen Berichterstattung deutliche Unterschiede zeigen: Bei «Fox News» wurde das Gebet für die Soldaten hervorgehoben, während CNN eine kritische Analyse des Kriegsverlaufs betrieb.
Trotz unterschiedlicher politischer und mediale Perspektiven herrscht weitgehende Einigkeit darüber, dass Armeeangehörige höchsten Respekt verdienen. Dieser wird auf vielfältige Weise zum Ausdruck gebracht: In Flughäfen erhalten Soldaten Vorrang beim Boarding, zahlreiche Geschäfte bieten Veteranen spezielle Rabatte an, und der Begrüßungsgruß «Thank you for your service» ist alltäglich.
Diese Form des Dankes unterstreicht die hohe Wertschätzung für das Militär in der US-Gesellschaft, besonders im Kontext von militärischen Interventionen zur Bewahrung des Supermachtstatus oder Verteidigung der «nationalen Sicherheit». Trotz der Imageverluste durch Einsätze im Irak und Afghanistan genießt die Armee nach wie vor ein hohes Maß an Vertrauen in Umfragen, mehr als andere Institutionen.
Kritik richtet sich häufig gegen politische Entscheidungsträger, allen voran den Präsidenten. Im Falle des Iran-Konflikts könnte Donald Trump zahlreiche Heldengeschichten wie diese benötigen, um eine Meinungsänderung herbeizuführen. Anders als in früheren Kriegen war die öffentliche Ablehnung gegenüber dem militärischen Vorgehen schon zu Beginn des Konflikts vorhanden. Historisch betrachtet wächst mit der Dauer eines Krieges die Unzufriedenheit innerhalb der Bevölkerung, was ein Risiko für Trumps Republikaner darstellt, bei den kommenden Zwischenwahlen eine Strafe zu erleiden.
Roger Aebli ist seit Sommer 2025 als USA-Korrespondent tätig. Er war zuvor «Tagesschau»-Moderator und Produzent sowie von 2015 bis 2022 für Radio SRF 4 News tätig, wo er Sendungen wie «HeuteMorgen» und «Politikum» moderierte.
Tagesschau, 05.04.2026, 19:30 Uhr