Erstmals führten Schweizer Soldaten am Montag im Kanton Glarus Übungen durch, bei denen Drohnenangriffe auf Panzer simuliert wurden. Die Armee plant, ein einheimisches “Drohnen-Ökosystem” zu entwickeln. Der Zugführer gibt Befehle: «Auf Lima, Six, Zero. Bekämpfen. Bereiten Sie eine panzerbrechende Ladung mit 1,5 Kilogramm vor.» Nach wenigen Augenblicken steht er auf einer Anhöhe und hält die Drohne hoch, die ihre Propeller aktiviert und abhebt. Im Unterstand sitzen ein Teamleader, ein Techniker, der Co-Pilot und der Pilot mit einer VR-Brille, um das Live-Bild zu sehen. Der Pilot steuert die Drohne mittels Joystick – eine Szene, die an ein Computerspiel erinnert, obwohl sie im realen Umfeld stattfindet. Die Übung findet auf dem Schiessplatz Wichlen statt, geschützt von umliegenden Bergen. Hier trainiert die Armee, wie Drohnen und Panzer effektiv zusammenarbeiten können. Im Kontext des russischen Angriffskrieges in der Ukraine erkennt man den strategischen Wert von Drohnen. Diese Übung markiert den ersten Feldversuch mit ausgebildeten Drohnenteams. Die FPV-Drohnen, die hier zum Einsatz kommen, benötigen präzises Handsteuerung und können nicht ohne aktive Kontrolle fliegen. Nach fünfwöchiger Ausbildung sausen diese Drohnen nun mit über 80 km/h über den Platz. Das Ziel: ein Panzer des Panzerbataillons 13, markiert durch zwei Ballons. Die Piloten sorgen für eine Einschränkung der Mobilität des Ziels, bevor eine zweite Drohne zum Einsatz kommt. Während die Übung hier spielerisch anmutet, verdeutlicht sie das tödliche Potenzial im Ernstfall, da in der Ukraine Drohnen gezielt in Panzer eindringen. Die Truppe nutzt Attrappen, nicht echten Sprengstoff. Wo scharfe Kampfdrohnen trainiert werden können, bleibt offen. Andrea Marrazzo von der Kompetenzstelle für Drohnen und Robotik betont die restriktiven Auflagen. Divisionär Yves Gächter sieht Drohnen nicht nur als Angriffswerkzeug, sondern auch im Schutz von Militärinfrastrukturen. Er schlägt vor, dass Drohnen in alle Armeeverbände integriert werden müssen, um einen Mehrwert zu bieten. Die Armee steht noch am Anfang und muss entscheiden, ob Weiterbildungen ausreichen oder eine spezielle Rekrutenschule nötig ist. Auch wenn die Schweizer Armee keine direkten Kontakte zum ukrainischen Militär hat, gewinnt sie durch Partnerländer wertvolle Erkenntnisse. Die Ukraine zeigt auf: Drohnen müssen selbst gebaut werden können. Daher plant die Armee mit Armasuisse ein inländisches “Drohnen-Ökosystem” für Krisenzeiten. Die Industrie könnte jedoch durch liberale Auslandskonditionen abgeschreckt sein. Der Feldversuch wird von der Armee als Erfolg dargestellt, einschließlich eines Postenlaufs mit Panzern. Weitere Versuche sind geplant. Ein neues Drohnenabwehrsystem kommt beim G-7-Gipfel in Évian zum Einsatz und soll später die Heimat schützen. Über zwei Milliarden Franken stehen im Armeebudget für Luftangriffsschutz bereit, über das derzeit diskutiert wird. Dies könnte einen wesentlichen Fortschritt bedeuten.