Vor fünf Jahrzehnten verwüstete ein Erdbeben die norditalienische Region Friaul, zerstörte viele Dörfer und forderte 989 Todesopfer. Aus dieser Katastrophe entstand die Idee des “verstreuten Hotels”, einem innovativen Ansatz zur Revitalisierung von Gemeinden. Heute gibt es in der Schweiz drei solcher Einrichtungen, zwei davon befinden sich im Tessin.
Am 6. Mai 1976 erschütterte ein Beben der Stärke 6,5 auf der Richter-Skala die Region Friaul. Über hundert Ortschaften wurden betroffen: 60.000 Menschen verloren ihr Zuhause, und weitere 100.000 mussten evakuiert werden.
Nach dem Wiederaufbau in Carnia kehrten viele Bewohner nicht zurück. Dies führte zur Idee, leerstehende Gebäude als Hotelzimmer zu nutzen. Ab 1982 sprach man von “Albergo Diffuso”, was so viel wie “verstreutes Hotel” bedeutet. Diese Hotels haben ein Zentrum mit Rezeption und Gemeinschaftsräumen, während die Gäste in umliegenden Häusern untergebracht sind.
In Italien gibt es rund 150 solcher Einrichtungen, die den Kriterien des Verbands entsprechen. In der Schweiz wurden drei Hotels nach diesem Konzept entwickelt. Das erste befindet sich im Muggiotal bei Mendrisio und trägt den Namen “Albergo Diffuso Monte Generoso”. Es bietet rund 80 Betten in historischen Häusern, einem Nachbardorf und einem Maiensäss.
Das Projekt profitiert von der finanziellen Unterstützung durch die Regionalpolitik des Bundes. Nadia Fontana Lupi, Direktorin von Mendrisiotto Turismo, betont das Potenzial für den Tourismus in der Region.
Ein weiteres Tessiner Beispiel ist das “Albergo Diffuso Corippo” im Verzascatal, in der Nähe eines Stausees, der in einem James-Bond-Film zu sehen war. Das Dorf steht seit 1975 unter Denkmalschutz und verfügt über 22 Betten in verschiedenen Rustici.
Im Jura bietet das Albergo Diffuso SA im Stadtzentrum von Porrentruy um die 50 Betten an, unterstützt durch Kantonalfinanzierung. Alle drei Schweizer Projekte tragen zur wirtschaftlichen Belebung ihrer Regionen bei.