Villi Hermanns künstlerischer Weg führte ihn vom Maler zum renommierten Filmregisseur. Für sein Lebenswerk, das den Tessiner Film maßgeblich geprägt hat, wird er mit dem Schweizer Filmpreis ausgezeichnet.
In seinem Luganeser Studio hängt ein bemalter Baumstamm aus dem Film “Sinestesia” (2010) von Erik Bernasconi. Die Szene zeigt eine Bergabfahrt und einen Unfall mit einem Motorradfahrer – ein eindrucksvolles Symbol für Hermanns dynamische Karriere. Sein Arbeitsbereich ist überquillend voll: Bücher, Aktenordner, Zeitschriften und ein verstaubter silberner Leopard spiegeln sein lebhaftes künstlerisches Leben wider.
“Man kann doch nicht einfach nur Zeitung lesen und pensioniert sein”, äußert der 85-jährige Filmemacher. Sein aktuelles Dokumentarprojekt ist noch in Arbeit, während er bereits die nächste Regiearbeit “Bastardo” plant. Die Crew besteht aus italienischen Schauspielern mit straffen Terminplänen sowie Technikern und Talentschmieden aus Zürich und dem Tessin.
Hermann wird am kommenden Freitag für seine Beiträge zum italienischsprachigen Filmschaffen geehrt. Seine Wurzeln liegen in einer bunt zusammengesetzten Familie: ein protestantischer Vater aus Luzern, der sich in die Tessiner Textilarbeiterin verliebte und über den Gotthard pendelte, sowie eine Mutter aus dem Malcantone.
In seinem neuen Film “Bastardo” widmet er sich dem heimatlichen Valle di Tesa, einem Tal voller Grenzgänger. Das Drehbuch stammt von Fabio Andina, der lokale Kurzgeschichten über die einfache Bevölkerung verwebt.
Hermanns Karriere begann in den 60ern mit einem Studium in London und setzte sich fort im Zürcher Filmkollektiv. Seine erste bedeutende Arbeit “San Gottardo” erhielt 1977 in Locarno Anerkennung.
Sein Dokumentarfilm “Es ist kalt in Brandenburg” beleuchtet das düstere Bild der Schweiz während des Zweiten Weltkriegs.
Er gründete die Produktionsfirma Imagofilm, welche junge Tessiner Filmemacher fördert. Sein Film noir “Bankomatt” (1989) brachte Bruno Ganz als Hauptdarsteller auf die Leinwand und feierte Erfolg in Berlin.
Obwohl Hermann den Begriff “New Wave” für das heutige Tessiner Kino als übertrieben empfindet, freut er sich über dessen Entwicklung. Er sieht in der neuen Generation einen sanfteren Geist und mehr Offenheit gegenüber dem digitalen Zeitalter.
Hermanns Ansatz hat sich von den radikalen Methoden der 68er hin zur feinen Poesie gewandelt: “Unsere Filme sollen eine bleibende Spur hinterlassen”, betont er. Er bleibt ein Filmkünstler, dem die formale Kraft wichtiger ist als die flüchtige Beliebtheit von Serien auf Handys.