Die Teilnahme Italiens an der Weltmeisterschaft könnte sich ohne den charakteristischen azurblauen Touch wiederholen. Dies droht zum dritten Mal in Folge und beginnt mit einem Duell gegen Nordirland.
Fussball hat oft die Kraft, Menschen in schwierigen Zeiten zu inspirieren. Für Italien ist es jedoch eine Quelle der Sorge. Eine weitere enttäuschende Schlagzeile könnte drohen, wenn das Team am Donnerstag im Play-off-Halbfinale antritt. Es geht nicht nur um die Qualifikation, sondern auch um den Ruf und das Selbstverständnis des Landes.
In Bergamo steht Nordirland als Gegner auf dem Programm. Was einst wie ein harmloses Freundschaftsspiel erschien, fühlt sich nun an wie ein Überlebenskampf für eine stolze Fussballnation. Dies ist das Kernproblem. Die italienischen Medien beschreiben die bevorstehende Herausforderung vorsichtig im Konjunktiv und erwägen ein mögliches Finale am Dienstag in Wales oder Bosnien.
Die Gazzetta dello Sport benutzt Worte wie “hoffentlich” und “eventuell”, während sie sich von ihrer üblichen rosaroten Brille löst: “Der Horizont reicht nicht über Bergamo hinaus.” Das Team muss sich voll und ganz auf diese Partie konzentrieren, wobei Angst und Selbstzweifel die Startaufstellung ergänzen.
Die glorreiche Vergangenheit der Azzurri ist momentan in den Hintergrund getreten. Nationaltrainer Gennaro Gattuso betont, dass vier WM-Titel oder jüngste Misserfolge keine Rolle spielen dürfen. Die letzte K.-o.-Runde bei einer WM liegt schon fast zwanzig Jahre zurück – ein Sieg im Finale gegen Frankreich.
Nach dem Aus in den Gruppenphasen 2010 und 2014 verpassten die Italiener zwei weitere Weltmeisterschaften. 2018 gelang ihnen kein Tor gegen Schweden, sie unterlagen mit 0:1. Seit 1958 fand eine WM ohne Italien statt.
Niemand hatte erwartet, dass es noch schlimmer kommen würde. Eine Serie von Fehlern verhinderte die Qualifikation für Katar. In der Gruppe reichte es hinter der Schweiz nur zu Platz zwei. Schuld waren Unentschieden in Basel und Rom sowie verschossene Penaltys durch Jorginho.
Eine Kampagne, die sich wie ein endloser Albtraum anfühlen musste: Im Play-off verloren sie 0:1 gegen Nordmazedonien. Nur anderthalb Jahre zuvor hatten die Italiener dennoch die EM gewonnen – eine Insel der Stärke inmitten von Misserfolgen.
Früher war der italienische Fussball geprägt von Luxusproblemen: Debatten über das Singen der Hymne oder die Aufstellung. Die Diskussion um die “Staffetta” im Jahr 1970, ob Mazzola und Rivera gemeinsam spielen sollten, steht symbolisch für eine andere Zeit.
Im heutigen Calcio geht es um Taktik und Gerissenheit. Es ist eine Disziplin voller Strategie, wie ein Armani-Anzug. Die Weltbühne der WM bot den Calciatori die Möglichkeit, mit Eleganz zu brillieren und für Empörung zu sorgen. Doch heute fragen sich viele: Warum steht nicht einmal die Qualifikation fest?
Eine Analyse von “Tuttosport” listet bekannte Probleme auf – kein Verbandsmanagement, übermächtige Klubs und fehlende Strategie im Nachwuchsbereich. Das System des Calcio ist krank. Länder wie Norwegen haben sie überholt: 7:1 für Haaland in der aktuellen Qualifikation.
Die Gazzetta veröffentlichte eine Kolumne, einen fiktiven Brief eines Jugendlichen an Gattuso. Darin steht die Hoffnung auf zumindest ein WM-Spiel vor dem Erwachsenwerden.