Die Zunahme der Wölfe in der Schweiz führt vermehrt zu Konflikten mit der Landwirtschaft. Der Bund erlaubt daher die Regulierung des Bestandes, während Natur- und Tierschutzverbände Abschüsse ablehnen.
Aktuell gibt es laut Stiftung Kora 43 Wolfsrudel in der Schweiz, eine Zahl, die in den vergangenen Jahren stark angestiegen ist. Die Rudel verteilen sich über Graubünden, Wallis, St. Gallen, Glarus und Tessin sowie im Waadtländer Jura, wo Gruppen von mindestens drei Wölfen beider Geschlechter als Rudel gelten. Auch Einzeltiere treten zunehmend im gesamten Alpenraum auf.
Wölfe jagen bevorzugt wilde Huftiere wie Rothirsch, Gemse und Reh. Angriffe auf Nutztiere kommen jedoch ebenfalls vor. Wo Kleinvieh ungeschützt weidet, wird es oft gerissen, so die Gruppe Wolf Schweiz. Der Wolf erbeutet das leichteste Beuteobjekt, wobei fehlende Fluchtinstinkte der Tiere oder unüberwindbare Zäune das Erbeuten von Nutztieren erleichtern.
Schafe sind mit 94 Prozent am häufigsten betroffen, gefolgt von Ziegen. Größere Tiere wie Rinder und Pferde werden selten getötet. Trotz wachsender Wolfspopulation sank die Zahl der gerissenen Nutztiere von 1426 im Jahr 2022 auf 832 im Jahr 2025, hauptsächlich durch effektive Herdenschutzmassnahmen.
Die Hauptursachen für den Tod von Schafen in Alpweiden sind Krankheiten und Unfälle. Die Entwicklung von Herdenschutzmassnahmen seit 1995 hat dazu geführt, dass Wölfe weniger Nutztiere reißen können. Zu den wirksamsten Methoden gehören Herdenschutzhunde und elektrische Zäune, unterstützt durch Beratung der Kantone und finanzielle Förderung des Bundes.
Eine Studie von Stiftung Kora und Agridea bestätigt die Wirksamkeit dieser Massnahmen. Dennoch gibt es Herausforderungen bei unübersichtlichem Gelände oder schlechten Sichtverhältnissen, da Wölfe lernfähig sind und Herdenschutz umgehen können.
Laut Konzept Wolf Schweiz teilen Bund und Kantone die Kosten für Schäden an Nutztieren durch Wölfe. Bei schadenstiftenden Wölfen ist der Abschuss möglich, wenn Herdenschutz nicht ausreicht. Der Bundesrat hat am 11. November 2023 eine neue Jagdordnung beschlossen, die den jährlichen Abschuss erlaubt und kantonale Proaktivität ermöglicht.
Trotz des Schutzes als Art müssen mindestens 12 Rudel erhalten bleiben. Der Bundesrat hat vier Verhaltenskategorien für Wölfe definiert, wobei Menschen grundsätzlich keine Gefahr ausgesetzt sind. Dennoch gibt es Faktoren, die Angriffe wahrscheinlicher machen.
Seit ihrem Rückkehr 1995 gab es in der Schweiz keine Angriffe auf Menschen durch Wölfe. Dennoch sollten bestimmte Regeln bei Begegnungen beachtet werden: Ruhe bewahren und den Wolf ansprechen sowie Hunde an die Leine nehmen.