Der norwegische Staatsfonds, einer der weltweit bedeutendsten Anleger, könnte zum Objekt geopolitischer Einflussnahme werden. Der jüngste Anstieg der Exporterlöse aus Rohöl um 69 Prozent im März zeigt die Vorteile des Konflikts in Nahost für Norwegen auf, ähnlich wie bei Russlands Krieg gegen die Ukraine. Präsident Donald Trump kommentierte auf seiner Plattform Truth Social, dass Norwegen Öl an Großbritannien zu doppelten Preisen verkauft und damit erhebliche Gewinne erzielt.
Trotz dieser Vorteile sind die geopolitischen Unruhen nicht ohne Risiken für Norwegen. Die norwegischen Medien vermitteln eine gewisse Besorgnis: Der Fonds hat 53 Prozent seines 1,7 Billionen Franken umfassenden Vermögens in den USA investiert. Trumps brüskes Verhalten gegenüber internationalen Partnern löst Fragen aus über die Sicherheit dieser Investitionen. Könnte er Maßnahmen ergreifen, wie beispielsweise ein Fondsraubzug? Ein solches Szenario würde vermutlich zu einem massiven Investorabfluss und einer globalen Finanzkrise führen.
Trump hat schon subtilere Methoden zur Schau gestellt: Als der Ölfonds seine Anteile am amerikanischen Unternehmen Caterpillar aufgrund ihrer Verwendung in israelischen Siedlungsgebieten verkaufte, drohte Trump mit Strafzöllen und Visumverweigerungen. Ole-Andreas Naes, Professor an der Universität Bergen, prognostiziert für den Fonds Konflikte bei zukünftigen Aktionärsversammlungen.
Der Government Pension Fund Global wurde geschaffen, um die Einnahmen aus den endlichen Bodenschätzen Norwegens zu sichern. Er ist im Besitz des norwegischen Staates und folgt ethischen Richtlinien, die soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz fördern sollen. Der Ethikrat wurde jedoch vorübergehend suspendiert, nachdem er den Verkauf von Aktien empfohlen hatte, die einen signifikanten Beitrag zur Fondsrendite leisten.
Im April besuchte Finanzminister Jens Stoltenberg New York, um über die Sicherheit der Investitionen in den USA zu beraten. Nicolai Tangen, Manager des Fonds, betonte, dass keine Anlage risikofrei sei und versicherte, dass das Stimmverhalten des Fonds unverändert bleibt. Stoltenberg räumte ein, dass absolute Sicherheit nicht garantiert werden kann.
Der Ökonom Steinar Juel erwähnte in einem Gespräch mit der Zeitung E24 die Möglichkeit, dass Trump Sondersteuern auf Zinserträge oder das Einfrieren von Geldern verfügen könnte. Die Wahrscheinlichkeit dafür sei gering, doch erinnert dies daran, wie wichtig das Vertrauen internationaler Investoren für die USA ist.