Der Eurovision Song Contest (ESC) hat in Osteuropa eine Bedeutung, die über die Musik hinausgeht. In der Moldau führte das schlechte Votum für Rumänien und die Ukraine zum Rücktritt des Chefs der staatlichen Rundfunkgesellschaft TRM, Vlad Turcanu.
Der rumänische Beitrag “Choke Me” (“Würge mich”) löste im Vorfeld Debatten aus. Die Metapher für Selbstzweifel und innen Druck wurde von Sängerin Alexandra Capitanescu verteidigt, die Physik studiert. Trotz Diskussionen sahen die Organisatoren keinen Grund zur Disqualifikation.
Die moldauische Jury vergab dem rumänischen Beitrag nur drei Punkte, während die Zuschauer ihn zum besten Song kürten. Diese Bewertung löste Empörung aus, und Kulturminister Cristian Jardan forderte eine Erklärung vom Rundfunk. Die Bloggerin Margarita Druta warnte vor der “skandalösen” Entscheidung.
Die enge Bindung vieler Moldauer zu Rumänien spiegelt sich in politischen und kulturellen Aspekten wider. Der ESC bietet Kleinstaaten wie Moldau eine Plattform, um sich einem paneuropäischen Publikum zu präsentieren und ist für sie vergleichbar mit großen sportlichen Veranstaltungen.
Die Punktevergabe am ESC wird oft von bilaterale Beziehungen beeinflusst. So vergeben Zypern und Griechenland regelmäßig die Höchstpunktzahl, während Armenien und Aserbaidschan sich gegenseitig keine Punkte geben.
In Moldau ist der Umgang mit Rumänien ein Indikator für geopolitische Ausrichtungen. Präsidentin Maia Sandu erwägt sogar einen Anschluss an die EU, während pro-russische Kräfte die kulturelle Eigenständigkeit Moldaus betonen.
Spekulationen über russischen Einfluss auf die Jury entstanden, als die Ukraine keine Punkte erhielt. Turcanus Rücktritt sollte Spannungen mildern und brüderliche Beziehungen zu Rumänien unterstreichen. Die rumänische Botschaft betonte, dass die Unterstützung der moldauischen Bevölkerung wichtiger sei als die Jurybewertung.
Auch in Polen führte die Punktevergabe am ESC zu Diskussionen. Kritik an der Nichtvergabe von Punkten für Alicja aus den Ländern Ukraine und Israel durch deren Vertreter Tobiasz Bochenski unterstrich politische Implikationen.