Im Herzen Berns entsteht ein Ort, an dem Geschichte des Geldes, Ökonomie und Unterhaltung aufeinandertreffen. Im Moneyverse werden Besucher Teil der Zinsentscheidungen und erleben deren Auswirkungen hautnah.
Früher galten Notenbanken als verschlossene Einrichtungen. Wenige Informationen kamen nach draussen, und öffentliche Äusserungen von Geldpolitikern waren oft komplex und mehrdeutig, was das Publikum ebenso ratlos liess wie Schweigen.
In den letzten Jahrzehnten hat sich dies geändert. Die Währungshüter sind transparenter geworden. Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) sucht vermehrt den Dialog mit der Öffentlichkeit und erklärt ihre Entscheidungen, etwa durch Zusammenfassungen ihrer geldpolitischen Lagebeurteilungen.
Jetzt geht die SNB einen Schritt weiter: Sie eröffnet ein Museum, das der Bevölkerung Auftrag und Arbeit der Nationalbank näherbringen soll. Dabei werden historische, gesellschaftliche und persönliche Aspekte rund um Geld beleuchtet – unter dem Namen Moneyverse.
Das Besucherzentrum nimmt diesen Freitag den Betrieb auf und liegt im Stadtzentrum Berns, nahe dem Bundeshaus und der SNB-Zentrale. Es befindet sich im denkmalgeschützten Kaiserhaus aus dem 18. Jahrhundert, das die SNB in den 1970er Jahren erwarb.
SNB-Präsident Martin Schlegel betonte bei der Eröffnung die grosse Nachfrage nach einem solchen Angebot und dass es bisher keinen Ort in der Schweiz gab, um sich über die Zentralbank zu informieren. «Das ändert sich jetzt.»
Die SNB sieht das Moneyverse als Beitrag zur ökonomischen Bildung der Bevölkerung. Das Museum ist kostenlos zugänglich und richtet sich an ein breites Publikum, darunter auch Schulklassen. Für die Ausstellungskonzeption hat die SNB mit dem Bernischen Historischen Museum zusammengearbeitet, das auch den Betrieb übernimmt.
Die Förderung von Finanzkompetenz ist in jüngster Zeit wichtiger geworden. Notenbanken beteiligen sich zunehmend daran, da Geldpolitik effektiver wird, wenn die Bevölkerung die Mechanismen der Finanzwelt versteht und ihr Verhalten anpasst.
Ein Rundgang durch das viergeschossige Museum zeigt, dass Wissen über Geld sehr unterhaltsam vermittelt werden kann. Besucher können in die Rolle des SNB-Direktoriums schlüpfen, Zinsen ändern und die wirtschaftlichen Folgen erleben – ein Beweis dafür, dass es unmöglich ist, allen gerecht zu werden.
Das Museum behandelt jedoch mehr als nur die SNB. Das Phänomen Geld wird breiter thematisiert: Ausgestellt sind schwere Steinscheiben von den Yap-Inseln im Pazifik und Nylonstrümpfe aus der Nachkriegszeit in Deutschland, welche als Zahlungsmittel dienten.
Die Entstehung des Moneyverse war ebenso komplex wie die Geldgeschichte selbst. Das Projekt verzögerte sich mehrfach, unter anderem wegen der Pandemie und Bauunterbrechungen sowie aufgrund von Asbestfunden und strengen Denkmalschutzauflagen.
Der Umbau des Kaiserhauses kostete laut Schlegel einen tiefen dreistelligen Millionenbetrag, das Moneyverse selbst einen tiefen zweistelligen Millionenbetrag. Auf Nachfragen zu den Kosten verwies der SNB-Präsident auf die Schwierigkeiten mit Asbest, Denkmalschutz und Sicherheitsanforderungen.
Die Transparenz der SNB hat somit ihre Grenzen.