Mit einem klaren Blick auf die Zukunft hat Eric Bernard, der seit September 2025 das Ruder bei Sonova übernommen hat, entschiedene Schritte eingeleitet. Der Schweizer Marktführer im Bereich Hörhilfen trennt sich von der deutschen Premium-Marke Sennheiser und konzentriert sich verstärkt auf die Entwicklung innovativer Hörgeräte.
Vom Firmensitz in Stäfa, gelegen an der Goldküste oberhalb des Zürichsees, genießt man einen unverbaubaren Blick über Weinberge und Alpen. Hier werden weiterhin hochwertige Hörgeräte hergestellt, wobei die Automatisierung es ermöglicht, dass diese Produktion nicht teurer ist als in Asien.
Bernard sieht das Unternehmen vor großen Herausforderungen: Der Aktienkurs notiert nahe sechs Jahre Tiefstständen. Sein Plan zur Revitalisierung der Geschäftsaussichten beinhaltete den Verkauf des Unterhaltungselektronik-Geschäfts von Sennheiser, das 2022 für 200 Millionen Euro erworben wurde. Laut Bernard unterscheidet sich dieses Geschäft zu stark vom Kernbereich Sonovas und bedarf einer anderen Führungsstrategie.
Analysten reagieren positiv auf diese Entscheidung; sie sehen darin eine Rückbesinnung auf die Stärken des Unternehmens. Sennheiser hatte ursprünglich als Türöffner in neue Märkte gedient, füllte jedoch nicht die Erwartungen und war weniger profitabel.
Die Vision Bernards umfasst auch den Trend zum Lifestyle-Produkt im Bereich Hörsysteme. Inspiriert von Technologien wie Apples AirPods mit Hörunterstützung und innovativen Brillen, setzt Sonova auf Design und Funktionalität. Ein neues In-Ohr-Hörgerät in kontrastreichen Farben wird besonders gut in den USA und Japan angenommen.
Bernard plant, den Marktanteil insbesondere im asiatischen Segment zu erhöhen, indem er hochpreisige Modelle einführt und später erschwinglichere Varianten entwickelt. Der Preis bleibt ein entscheidender Faktor: In der Schweiz startet der Preis für Hörgeräte bei rund 840 Franken, wobei die Kosten für Service den größten Teil ausmachen.
Die Konkurrenz ist intensiv, und Sonova verfolgt eine Strategie der Investition in Automatisierung und Produktionsstandorte wie Vietnam. Im Unternehmen gibt es zudem Veränderungen auf Führungsebene; Bernard wird von Gilbert Achermann als neuer Verwaltungsratspräsident unterstützt.
Bernard hat ehrgeizige Ziele: Bis 2030/31 strebt Sonova einen Umsatz von 6 Milliarden Franken an, was eine Verdopplung des aktuellen Niveaus bedeutet. Analysten sehen darin sowohl Chancen als auch Herausforderungen und erwarten größere Zukäufe, um diese Ziele zu erreichen.
Während der Sektor durch Übernahmen im Detailhandel geprägt ist, plant Sonova ebenfalls, seine Präsenz in diesem Bereich zu stärken. Bernard selbst nutzt Hörgeräte, um auch in lauten Umgebungen nicht müde zu werden – eine persönliche Erfahrung, die ihn bei seiner Mission motiviert.