Im Mai trifft in Seoul eine südkoreanische auf eine nordkoreanische Frauenfußballmannschaft. Nach dem Spiel qualifizieren sich die Siegerinnen für das Finale der asiatischen Champions League. Dieses Match ist nicht nur sportlich von Bedeutung, sondern auch politisch, da Treffen solcher Art zwischen den beiden Koreas selten sind; zuletzt 2018 gab es ein solches Aufeinandertreffen. Frederic Spohr leitet die Büros der Friedrich-Naumann-Stiftung in Seoul und Taipeh. Er bewertet die Bedeutung des Spiels für das Verhältnis zwischen den beiden Ländern.
Frederic Spohr, Projektleiter Korea bei der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, lebt seit 2012 in Asien und berichtete über tiefgreifende Veränderungen in der Region. Seit 2019 arbeitet er für die Stiftung und ist seit 2023 Büroleiter in Seoul sowie verantwortlich für Süd- und Nordkorea.
SRF News fragt nach, ob das Spiel den nordkoreanischen Spielerinnen eine Fluchtmöglichkeit bieten könnte. Spohr antwortet, dass dies zwar nicht ausgeschlossen ist, aber mit erheblichen Risiken verbunden wäre, insbesondere für die Familienangehörigen in Nordkorea. In Südkorea könnten nordkoreanische Geflüchtete aufgenommen werden; ein Vorfall 2019 blieb jedoch ohne Konsequenzen aufgrund internationalen Drucks.
Die südkoreanische Regierung würde laut Spohr wahrscheinlich keine Anreize für eine Flucht bieten, da dies die Beziehungen zu Nordkorea belasten könnte. Derzeit strebt sie eher eine Annäherung an.
Interessanterweise ist bei vielen jüngeren Südkoreanern das Interesse am Norden nachgelassen und sie befürchten steigende Steuern sowie Arbeitslosigkeit im Fall einer Wiedervereinigung. Ältere Generationen bewahren jedoch noch ein gewisses Interesse.
Das anstehende Fußballspiel könnte die Beziehungen zwischen den beiden Ländern nicht maßgeblich verbessern, meint Spohr. Nordkorea wird das Event wahrscheinlich für Propagandazwecke nutzen, während von einer Verbesserung der diplomatischen Beziehungen wenig zu erwarten ist.
Das Gespräch führte Isabelle Maissen.
SRF 4 News, 5.5.2026, 6:25 Uhr