Der Luzerner Stadtrat unterstützt grundsätzlich das Konzept des Teilens, Reparierens und Wiederverwendens, will jedoch auf neue Strukturen verzichten. Die Ideen von sogenannten “Nimm-mich-mit-Tagen”, Gutscheinen für Reparaturen sowie einer eigenen städtischen Sharing-App wurden abgelehnt.
In Reaktion auf fünf Postulate rund um die Themen Teilen, Reparieren und Recycling hat der Stadtrat bei drei Anfragen eine teilweise Erheblicherklärung verlangt und zwei vollständig abgelehnt. Die Vorstösse kamen hauptsächlich von den Grünen/Jungen Grünen, zusammen mit SP/Juso und GLP. Ziel ist es, Ressourcen zu schonen und die Kreislaufwirtschaft in Luzern voranzubringen.
Teilen ja, aber ohne eigene App
Der Stadtrat befürwortet das Teilen von Geräten wie Mixern oder Bohrmaschinen grundsätzlich. Allerdings lehnt er eine eigene städtische Sharing-App ab und sieht bestehende Plattformen als ausreichend an. Eine neue App würde laut der Stadt Zürich rund 120’000 Franken kosten, ohne Mehrwert zu bieten. Stattdessen sollen vorhandene Angebote stärker beworben werden, zum Beispiel in der Klimaschutzkampagne “Bock auf Null”.
Keine zusätzliche Fachstelle geplant
Eine neue Fachstelle für die Kreislaufwirtschaft lehnt der Stadtrat ab. Er argumentiert, dass das Thema bereits dezentral in verschiedenen Verwaltungsbereichen verankert ist und für KMU Beratungsangebote wie “Impuls Umwelt” vorhanden seien. Eine zusätzliche Fachstelle würde etwa 120’000 Franken pro Jahr kosten und könnte zu Doppelspurigkeiten führen.
Skepsis gegenüber Mitnahmetagen
Der Stadtrat äußert Skepsis bezüglich regelmäßiger “Nimm-mich-mit-Tage” für Haushaltsgegenstände. Die Befürchtung ist, dass dies zu illegaler Entsorgung führen könnte und es Probleme mit der Verantwortlichkeit bei liegen gebliebenen Gegenständen gibt. Stattdessen prüft der Stadtrat alternative Modelle wie Bring- und Holtage oder mobile Ökihöfe.
Reparaturgutscheine als zu kostspielig
Reparaturgutscheine lehnt der Stadtrat ebenfalls ab, da die Kosten im Vergleich zum Nutzen als zu hoch eingeschätzt werden. Für einen Pilotversuch in Luzern rechnet er auf Basis des Zürcher Modells mit jährlichen Kosten von über einer Million Franken. Stattdessen sollen bestehende Angebote wie Repair Cafés und Reparaturführer weitergeführt werden.
Zusammenarbeit bei Alttextilien
Der Stadtrat unterstützt ein Postulat zur Verwertung von Alttextilien teilweise, will jedoch keine laufenden Verträge vorzeitig kündigen. Der Gemeindeverband Real ist für die Sammlung und Verwertung zuständig, mit einem neuen Vertrag ab 2029. Die Stadt plant, die Bevölkerung zu bewusstem Konsum und der korrekten Handhabung von Alttextilien zu sensibilisieren.