Die Manipulation von Wahlkreisen ist eine lange etablierte Praxis in den USA. Ein neues Urteil des Obersten Gerichtshofs hat das Wettrennen um die Kongresssitze weiter angeheizt und könnte den Ausgang der November-Wahlen beeinflussen. Gerrymandering wird nun verstärkt eingesetzt, da Algorithmen die traditionellen Methoden auf dem Reissbrett ersetzen. Die Republikaner versuchen, ihre knappe Mehrheit von fünf Sitzen im Repräsentantenhaus zu verteidigen und nutzen dabei das umstrittene Gerrymandering. Das Gerichtsurteil vom Ende April hob die Wahlkreiskarte von Louisiana für ungültig und setzte damit den zweiten Artikel der Voting Rights Act aus dem Jahr 1965 außer Kraft, welcher Wahlkreise verbot, die die Stimmenkraft von Minderheiten schwächten. Die Entscheidung in ‘Louisiana v. Callais’ signalisiert, dass solche Bestimmungen nun aufgehoben sind. Dadurch könnten republikanische und demokratische Parteien künftig Wahlkreise noch aggressiver neu ziehen, um ihre Chancen zu verbessern. Bereits in mehreren Bundesstaaten wie Alabama, Tennessee und Mississippi wird versucht, die Wahlkreiskarten im Eilverfahren vor den Zwischenwahlen anzupassen. Die Demokraten drohen mit rechtlichen Schritten gegen solche Pläne, während sie selbst ihre Möglichkeiten für Gerrymandering nutzen könnten, beispielsweise in Kalifornien. Bis zu den Präsidentschaftswahlen 2028 wird sich der volle Effekt dieser Strategie zeigen. In vielen US-Bundesstaaten entscheidet die regierende Partei über die Gestaltung der Wahlkreise, was oft zur Schaffung ungewöhnlich gezeichneter Bezirke führt. Traditionell wurden solche Manipulationen durch ‘Packing’ und ‘Cracking’ von Wählergruppen erreicht. Das jüngste Gerichtsurteil könnte die Republikaner begünstigen, obwohl es schwierig ist, den genauen Einfluss des Gerrymandering vorherzusagen. Trotz intensiver Manipulationen entsprach das Verhältnis von Volksmehr zu Sitzverteilung bei den letzten Wahlen in etwa der Realität. Auch wenn die Grenzen des Gerrymandering erreicht sein könnten, bleibt es ein zentrales Instrument im politischen Machtspiel. Die Republikaner haben momentan mehr Möglichkeiten, da sie weniger Anti-Gerrymandering-Gesetze erlassen haben als ihre demokratischen Gegner. Doch selbst die Demokraten könnten diese Reformen rückgängig machen. Das jüngste Urteil des Supreme Court könnte den Republikanern weitere Sitze bescheren, während Prognostiker einen moderaten Vorteil der Partei für die Zwischenwahlen erwarten. Langfristig könnten die Auswirkungen jedoch abhängig von politischen Windveränderungen sein.