Als ehemaliges Model war Tamy Glauser in den frühen 2010er Jahren eine prominente Figur auf den Laufstegen von Luxusmarken wie Louis Vuitton und Givenchy. Sie prägte mit ihrer Partnerschaft zu Dominique Rinderknecht die gesellschaftlichen Debatten der Schweiz als sichtbares lesbisches Promipaar. Doch nach einer kurzen, turbulenten politischen Episode zog sie sich von der Öffentlichkeit zurück, um heute in Reality-TV-Formaten wie der SRF-«Shaolin Challenge» und «7 vs. Wild» aufzutreten. Im Frühjahr 2026 reflektiert Glauser während eines Gesprächs mit der NZZ über ihre Karriere. Ein Shitstorm nach ihrer Ankündigung, für die Grünen bei den Nationalratswahlen zu kandidieren, zwang sie zur Aufgabe ihres politischen Vorhabens. Ihre Aussagen in sozialen Medien und das darauffolgende öffentliche Verhalten führten zu persönlichen Anfeindungen. Glauser erinnert sich an die Zeit nach ihrem Rückzug aus der Politik, als sie Unterstützung vermisste. Ihr Leben war immer von Ablehnung geprägt; als Kind wurde sie aufgrund ihrer Erscheinung und Herkunft gemobbt. Mit 27 Jahren begann ihre Modelkarriere, in der sie sich gegen geschlechtliche Normen stellte, bis das Androgyn zu ihrem Markenzeichen wurde. Trotz anfänglicher Erfolge entschied sie sich später, neue Schubladen zu sprengen, statt bestehende zu erweitern. Die aktuelle Phase ihrer Karriere in Reality-TV sieht sie nicht als Abstieg, sondern eher als eine Form der Selbstermächtigung. Für das Schweizer Fernsehen ist die «Shaolin Challenge» mehr als Unterhaltung; sie zielt auf Themen wie mentale Gesundheit und Resilienz ab. Glauser selbst interessiert sich mehr für persönliche Herausforderungen als für mediale Diskussionen. Die ehemalige Miss Schweiz Dominique Rinderknecht spielte eine entscheidende Rolle in ihrer Entwicklung, da sie die öffentliche Wahrnehmung von queeren Beziehungen veränderte. Trotz der Trennung sieht Glauser ihre Mission als persönliches Projekt weiter. Politisch denkt Glauser über die Gründung einer eigenen Partei nach, um gegen das profitgetriebene System anzukämpfen. Sie betont, dass ihre Entscheidungen aus persönlicher Überzeugung resultieren und nicht der Erwartungshaltung anderer entsprechen müssen. Rückblickend sieht sie die LGBTQ-Bewegung heute als routinierter an, wobei die Debatten polarisierter geworden sind. Dennoch freut sie sich über das gestiegene Sichtbarkeitsniveau jüngerer Generationen und bezeichnet ihre Lebensgeschichte als „Story of my life“. Die Sendungen «7 vs. Wild» und die «Shaolin Challenge» sind auf One+ und Play SRF verfügbar.