Ein ungewöhnliches Szenario erwartet die Stadt Thun, da alle Mitglieder ihrer Stadtregierung gleichzeitig im Grossen Rat des Kantons Bern sitzen werden. Dies ist das Ergebnis der jüngsten Kantonswahlen in Bern, bei denen sämtliche Exekutivmitglieder Thuns einen Sitz im Parlament errungen haben. Stadtschreiber Bruno Huwyler Müller beschreibt diese Situation als Novum: «Das gab es noch nie», sagte er auf Anfrage. Nach dem Wahlausgang am Sonntag wurde ihm bewusst, dass zwei weitere Mitglieder des Gemeinderats nun ebenfalls im Grossen Rat vertreten sind.
Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP) wechselt in die Kantonsregierung, sein Parteikollege Reto Schertenleib rückt nach. Die anderen drei Mitglieder der Exekutive verfügen bereits über ein Mandat oder wurden neu gewählt. Während der Sommersession des Grossen Rates, die im Juni beginnt, werden alle Thuner Gemeinderäte gleichzeitig in Bern aktiv sein.
Huwyler Müller sieht organisatorisch keine Schwierigkeiten: Der Sitzungskalender wurde angepasst; die Gemeinderatssitzungen finden nun freitags statt. Die Stadtführung kann somit weiterhin effektiv arbeiten, während der Session im Kantonsparlament. Zudem ist Thun von Bern aus schnell erreichbar.
Der Stadtschreiber betont den Vorteil solcher Doppelmandate: Sie ermöglichen eine bessere Verbindung und schnelleren Informationsaustausch mit Kanton und Bund. Er meint: «Eine direkte Vertretung im Parlament nützt der Stadtverwaltung enorm in Beziehungen zu übergeordneten Instanzen.»
Diese außergewöhnliche Lage wird jedoch nur vorübergehend sein, da Ersatzwahlen Mitte Juni für das Stadtpräsidium und einen Gemeinderatssitz anstehen. Es ist möglich, dass nach diesen Wahlen ein Mitglied der Exekutive kein Doppelmandat mehr innehat.
Die nächsten Kantonswahlen im Berner Regierungsrat und Grossen Rat sind am 29. März 2026 angesetzt, bei denen sieben Regierungsratsmitglieder und 160 Abgeordnete des Grossen Rates gewählt werden.