Die öffentliche Neugier für das Schicksal einzelner Tiere hat in letzter Zeit zugenommen, wie beim einsamen Pinguin oder dem Äffchen Punch. Aktuell steht Timmy, ein gestrandeter Wal im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und sorgt weltweit für Mitgefühl. Doch was treibt die Faszination für solche Einzelschicksale an?
Peter V. Kunz, Tierrechtler: “Auch als Befürworter von Tierrechten bin ich vorrangig Mensch. Ich weine beim Anblick des einsamen Pinguins und fühle mit Timmy oder Punch. Dennoch sind diese Einzelschicksale für das allgemeine Wohl der Tiere letztlich irrelevant, denn die systematisch leidenden Arten bleiben unsichtbar.”
Wie empfinden Sie momentan Mitgefühl für Timmy?
“Sein Leiden trifft mich zutiefst. Anfangs hoffte ich auf Rettung, nun wünsche ich ihm nur ein schnelles Ende.
Kann der Tierschutz von solcher öffentlicher Anteilnahme profitieren?”
Kunz: “Das mag hart klingen, aber jede Gelegenheit, die Menschen zum Mitgefühl anregt, ist willkommen. Wenn Geschichten wie Timmys den Anstoß für politisches Engagement im Tierschutz geben, wäre das ideal. Doch diese Fälle haben oft nur kurzfristige Auswirkungen.”
Sind solche Tiergeschichten eine Ablenkung von globalen Problemen?
“Ja, sie sind es. Aber man kann nicht ständig negativ denken. Emotionale Bindungen zu Tieren bieten Zerstreuung und positive Gefühle.”
Ist es problematisch, dass wir Tiere wie Timmy oder Punch menschlich benennen und vermenschlichen?
“Vermenschlichung ist bis zu einem gewissen Grad akzeptabel; sie kann das Mitgefühl steigern. Doch die selektive Natur dieses Mitleids ist besorgniserregend, besonders für Nutz- und Versuchstiere.
Die öffentliche Diskussion über Tiere wie Timmy lenkt oft von ernsteren Themen ab. Wie empfinden Sie das?”
“Es ärgert mich, dass Behörden geltende Gesetze ignorieren. Die Aufmerksamkeit für Einzelschicksale ist verständlich, doch sie lenkt von der mangelnden Umsetzung des Tierschutzrechts ab.”
Wie sollte das Tierrecht mit der Ungleichheit im Schutz verschiedener Arten umgehen?
“Das aktuelle Recht schützt nur vier Prozent aller Tiere. Eine rechtliche Anerkennung für bestimmte Tiere und ein Verbot von Tierversuchen höheren Schweregrads könnten Verbesserungen bringen.”
Sollten Tiere wie Timmy oder Punch das Recht auf Privatsphäre haben?
“Es gibt Debatten darüber, ob solche medial begleiteten Sterbeprozesse angemessen sind. Ich finde die ständige Präsenz der Kameras unanständig.”