Am Mittwoch hat die Tourismusbranche vor der sogenannten «Chaos-Initiative» der SVP gewarnt und für den Donnerstag eine Kampagne angekündigt, um auf das Chaos durch Massentourismus hinzuweisen. Die Probleme zeigen sich im Berner Oberland, im Wallis oder in Luzern. In Lauterbrunnen protestieren die Einheimischen dagegen, dass ihr Dorf zu einem Freizeitpark verkommt, während in Interlaken Wohnraum knapp wird und in Luzern nach Lösungen gegen den Overtourism gesucht wird. Zudem stoppte Grindelwald ein Hotelprojekt mit 200 Betten.
In Grindelwald am Fuss der Jungfrau ist das Dorfleben durch die vielen Touristen stark beeinträchtigt: Schulbusse dienen gleichzeitig als Touristenverkehr, was die Einheimischen vor Herausforderungen stellt. Der Gemeindepräsident betont, dass man eine Balance zwischen wirtschaftlichem Wachstum und der Lebensqualität der Bewohner halten müsse.
Im Jahr 2025 erreichte der Schweizer Tourismus mit 44 Millionen Hotelübernachtungen einen Rekordwert. Ein Großteil der Gäste stammt aus Europa, während das Wachstum stark durch Besucher aus Übersee getrieben wurde. Besonders die USA und Kanada trugen maßgeblich bei – ihre Buchungen nahmen um 5 Prozent zu. Schweiz Tourismus zeigte sich erfreut über diese Entwicklung.
Dennoch sorgt die «10-Millionen-Schweiz-Initiative» der SVP für Unruhe in der Branche. Am Mittwoch rief sie zu einer Medienkonferenz unter dem Titel «Tourismus gegen Chaos» auf, ohne genau zu definieren, was mit Chaos gemeint ist. Sie verweisen darauf, dass 30 Prozent des Personals im Gastgewerbe aus Europa stammen und die Initiative zur Kündigung des Freizügigkeitsabkommens führen könnte.
Nicht nur Schweiz Tourismus warnt vor den Konsequenzen eines Ja-Stimmrechts. Auch der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse, der Gewerkschaftsbund und andere Organisationen beschwören die drohenden Probleme. Es bleibt jedoch unklar, wann genau das Chaos eintreten würde, sollte die Initiative umgesetzt werden.
Gleichzeitig zeigt sich das Chaos durch den Massentourismus bereits heute: Touristenzüge nach Interlaken, überfüllte Plätze in Luzern oder der berühmte Staubbachfall in Lauterbrunnen sind Zeugen dieser Entwicklung. Trotz einer Verantwortung von nur 3 Prozent des BIP trägt die Branche zur erhöhten Bevölkerungsdichte bei.
Schweiz Tourismus reagiert am Donnerstag mit einer Benimmkampagne für Touristen, um das Bewusstsein zu schärfen. Doch im März zeigte eine Umfrage der Leewas, dass 45 Prozent für die Zuwanderungsinitiative sind, motiviert durch Sorgen über Überbevölkerung – ausländische Gäste eingeschlossen.
Die Touristikbranche appelliert an die Einheimischen: Verhindern Sie das Chaos, indem sie die Initiative ablehnen. Für die SVP stellt sich hingegen eine Chance dar, da der von den Gegnern beschworene Tourismus-Chaos ihre Kampagne unterstützt.