Neben Barbetreibern und Gemeindeverantwortlichen könnten nun auch kantonale Beamte in den Fokus der Ermittlungen geraten.
Die Frage, wer die Schuld an dem verheerenden Brand in Crans-Montana trägt, bei dem an Silvester 41 Menschen starben, bleibt ungeklärt. Neben Jacques und Jessica Moretti ermittelt die Walliser Staatsanwaltschaft gegen sieben Gemeindeverantwortliche, darunter den ehemaligen Sicherheitsbeauftragten und derzeitigen Gemeindepräsidenten Nicolas Féraud.
Die Liste der Beschuldigten könnte sich verlängern. Ermittlungen beschränkten sich bisher auf die kommunale Ebene, doch ein Opferangehöriger erstattete Strafanzeige gegen drei hochrangige kantonale Sicherheits- und Brandschutzbeamte.
Die Anschuldigungen umfassen fahrlässige Tötung, fahrlässige Brandstiftung sowie Mord und Brandstiftung mit Eventualvorsatz. Im Wallis obliegt den Gemeinden die Durchführung der Brandschutzkontrollen unter kantonaler Aufsicht. Crans-Montana versäumte es, das Lokal “Le Constellation” ordnungsgemäß zu überprüfen; zuletzt geschah dies 2019.
Der Inspektor hatte damals den brennbaren Schaumstoff an der Decke des Untergeschosses übersehen. Die mangelnde Häufigkeit und Qualität der Überprüfungen hatten verheerende Folgen: Das Lokal verstieß gegen Brandschutznormen, unter anderem wegen unzureichender Fluchtwege.
Der Opferangehörige stellt die Frage, ob der Kanton Wallis seine Aufsichtspflicht erfüllt hat. Hinweise deuten darauf hin, dass das zuständige Amt für Feuerwesen von den Verstößen Kenntnis hatte. Der kommunale Sicherheitskontrolleur hatte wiederholt mehr Personal und Kompetenzen gefordert.
Philipp Hildbrand, Leiter des Walliser Amts für Feuerwesen, erklärte gegenüber SRF, dass weniger Berichte als erwartet eingingen. Sein Amt habe auf fehlende Berichte mit der Annahme reagiert, alles sei in Ordnung.
Die mangelnde Kontrolldokumentation wird ebenfalls problematisiert; ein IT-Desaster führte zum Verlust wichtiger Daten. Bis 2023 setzte Crans-Montana auf eine Software eines lokalen Informatikers, der auch für das kantonale Amt arbeitete. Nach seiner Verhaftung wurden sensible Informationen unzugänglich.
Auch der Schwiegersohn der Morettis wird verdächtigt; er soll bei der Einlasskontrolle an Silvester mitgewirkt haben. Die Staatsanwaltschaft führt weiterhin Einvernahmen durch, während sie über den Stand der Ermittlungen keine Auskunft gibt.