Rosemarie und Walter, beide über 80 Jahre alt, leben seit drei Jahrzehnten in einem kleinen Haus mit großem Garten am Stadtrand von Bern. Als sie 1996 einzogen, waren ihre Kinder fast aus dem Haus. Heute genießen die beiden den alleinigen Besitz des Hauses und Gartens.
Walter erklärt, dass das Wohnen im eigenen Heim kein schlechtes Gewissen verursacht; seine Frau gab hier jahrelang Musikstunden und sie beherbergten die alte Schwiegermutter. Zudem besuchen regelmäßig Enkelkinder. Das Quartier ist ruhig gelegen, fast abgeschieden vom Verkehr und nahe dem Wald.
Nicht nur Walter und Rosemarie leben in ihrem Alter alleine oder zu zweit im Haus; viele Nachbarn sind ähnlich gestellt. Dies zieht Begehrlichkeiten auf sich: Ende 2024 gab es schweizweit rund 228.000 Einfamilienhäuser, bewohnt von einer oder zwei Personen über 65 Jahren.
Die beiden älteren Paare berichten oft davon, angesprochen zu werden, ob sie nicht verkaufen möchten. Sie erhalten Anrufe und Briefe, manchmal anonym oder von weit her wie einem „Herr Müller aus Zürich“. Ein Makler musste sogar abgewiesen werden.
Ihre Überlegungen, ins kleinere Haus eines Sohnes umzuziehen, scheiterten. Vor einigen Jahren, als ihr Sohn ein weiteres Kind bekam, erwogen sie einen Umzug oder den Bau eines Mehrgenerationenhauses auf dem Grundstück. Die Zonenordnung verhinderte es jedoch und der Sohn zog nicht aus der Stadt weg.
Die Immobilienverkäufe in der Schweiz sind durch ältere Verkäufer geprägt, während Käufer oft durch Erbschaften oder Schenkungen unterstützt werden. Laut Studie von Marius Brülhart und Guillaume Rais hat sich zwischen 2007 und 2022 der Anteil solcher Fälle fast verdoppelt.
Walter und Rosemarie überschrieben das Haus schließlich ihren Kindern, behielten aber das Wohnrecht bis zum Lebensende. Die Nachfrage nach Einfamilienhäusern bleibt hoch, obwohl genaue Verkaufszahlen fehlen. Schätzungen basierend auf Zürcher Daten deuten darauf hin, dass jährlich etwa 43.000 Eigenheime den Besitzer wechseln.
Experten erwarten einen Anstieg der Verkäufe in 15 Jahren, wenn die Boomer-Generation hochbetagt ist. Ob dies zutrifft, bleibt abzuwarten. Walter und Rosemarie sind selbst schon über 80.