Libanons politische Führung muss sich mit Israel in Washington auf eine Lösung einigen, um den Konflikt zu beenden. Eine der Bedingungen Israels ist die Entwaffnung des Hizbullah. Die beiden ehemaligen Generäle Khaled Hamadeh und Munir Shehadeh diskutieren regelmäßig in den Medien über die Frage, ob das libanesische Militär endlich den Iran unterstützten Hizbullah entwaffnen sollte. Das Militär hat theoretisch das Gewaltmonopol inne, ist aber seit der Unabhängigkeit von Frankreich durch politische und konfessionelle Spannungen geschwächt. Mit etwa 70.000 Soldaten, die aufgrund des Wirtschaftskollapses oft Nebenjobs ausüben müssen, verfügt es über veraltete Ausrüstung. Khaled Hamadeh, ein ehemaliger General der drusischen Gemeinschaft, ist überzeugt: Die Armee könnte mit internationaler Unterstützung und Rückhalt der Bevölkerung noch in diesem Jahr erfolgreich sein. Er glaubt, viele Libanesen, einschließlich Schiiten, unterstützten diese Maßnahmen, da Hizbullah seine Raketen nicht auf das eigene Land richten würde. Nachdem Israel im März mit Vergeltungsangriffen reagierte und 68 Ortschaften besetzte, fürchten viele Libanesen, dass nur der Hizbullah sie schützen kann. Dies führt dazu, dass Teile der Bevölkerung gegen die in Washington geführten Friedensverhandlungen sind. Israel fordert dabei den Rückzug des Hizbullah aus dem Süden. Munir Shehadeh, ein ehemaliger Schiit und Chef des Militärgerichts, warnt davor, dass eine Entwaffnung in einen Bürgerkrieg münden könnte, da viele Soldaten Verwandte im Hizbullah haben. Er kritisiert das politische System, das seit der Unabhängigkeit von konfessionellen Konflikten geprägt ist. Die Geschichte Libanons zeigt die Einflüsse fremder Mächte, wie Israel und Syrien, sowie interne Korruption und fehlende nationale Identität. Diese Faktoren haben dazu geführt, dass das Militär nie zu einem Symbol nationalen Stolzes wurde. Shehadehs eigene Erfahrung zeigt, dass viele aus finanziellen Gründen in die Armee eintreten mussten. Im Jahr 2021 geriet die Armee wegen der Währungskrise weiter unter Druck und war auf ausländische Hilfe angewiesen. Der Hizbullah dagegen ist durch iranische Unterstützung zu einer mächtigen Miliz geworden, was eine Herausforderung für Libanons politisches Gleichgewicht darstellt.