«Ich bin voller Energie und Freude für mein politisches Engagement», erklärte die Zürcher Nationalrätin in einem am Montag veröffentlichten Interview. Zum politischen Leben habe sie sich bewusst entschieden, Ja zu sagen: «Und das fühlt sich sehr richtig an.» In den vergangenen Monaten hatte es Momente gegeben, in denen sie unsicher war, ob sie je wieder ins Bundeshaus zurückkehren würde. Diese Zeit beschrieb Meyer als die schwierigste ihres Lebens. «Nicht zu wissen, ob der alte Alltag wieder Normalität wird oder ob ein Weg zurück möglich ist», habe ihr Angst gemacht. Von dieser Angst sei sie heute befreit: «Umso schöner ist es nun, hier wieder zu sein», sagte die 38-Jährige. Ende November 2025 hatte Meyer auf Instagram von einer «grossen Erschöpfung» berichtet und ihre Arbeit ruhen lassen. Sie erklärte im aktuellen Interview, dass sie sich damals gezwungen gesehen habe, eine Notbremse zu ziehen: «Im Nachhinein muss ich mir eingestehen, dass es da wohl schon zu spät war.» Alltägliche Dinge, wie E-Mails zu beantworten oder die Kinder am Morgen bereit zu machen, hätten ihr viel Kraft gekostet: «Einer Freundin in meinem Zustand würde ich auch nicht raten, bis zu den Ferien weiterzumachen», sagte sie. Es habe viel Überwindung gekostet, sich einzugestehen, dass sie keine Energie mehr hatte. Auch der Schritt an die Öffentlichkeit sei ihr schwergefallen: «Wenn wir nicht über unsere Schwächemomente reden, entsteht das Bild: Wow, hier gibt es in Bern Leute, die Übermenschliches leisten», sagte Meyer rückblickend. «Ein bisschen mehr Ehrlichkeit oder gegenseitige Fürsorge schaden nicht.» Während ihrer Auszeit, in der sie zu hundert Prozent krankgeschrieben war, habe sie professionelle Hilfe erhalten. Sie habe das Glück gehabt, dass bei einer Therapeutin etwas frei geworden sei: «Die Unterversorgung ist dramatisch», sagte die SP-Politikerin. Auch bei ihrer Therapeutin habe sie zunächst eine Absage wegen fehlender Kapazität erhalten. «Solche Mails habe ich reihenweise zurückerhalten», berichtete Meyer. Zudem verwies sie auf die Unterstützung ihres persönlichen Umfelds und ihrer Partei. Das Co-Präsidium mit Cédric Wermuth habe es ihr ermöglicht, loszulassen. Ihr Umfeld und die Partei hätten ihr stets gesagt, sie dürfe geduldig sein und sich die nötige Zeit für die Erholung nehmen. Von Tamedia auf ihre wertvollste Einsicht angesprochen, antwortete Meyer: «Geduldiger und gelassener mit mir selber zu sein.» SRF 4 News, 20.4.26, 4 Uhr; sda/schp;