Mit ihrer ersten Staffel im Jahr 2019 entwarf die HBO-Produktion ein prägnantes Bild einer erschütterten Generation. Die dritte Staffel fragt nun, was aus den Exzessen nach dem Schulabschluss wird.
Die Serie «Euphoria» ist bekannt dafür, dass sie schwer zu konsumieren ist. Viele Zuschauer berichteten, sie hätten sich mit «Schlaftee» auf die intensive Erfahrung vorbereitet. Andere brachen ihre Betrachtung ab und kehrten dennoch zurück – ein Phänomen der «New York Times», das als «doom watching» beschrieben wurde: das Schauen in den Untergang.
Die erste Staffel zeigte Kinder einer zerbrochenen Gegenwart, die ihre Verletzungen nicht heilen, sondern ästhetisieren. Die dritte Staffel zeigt nun die Folgen des Erwachsenwerdens.
«Euphoria» wirkt mehr als sie erzählt. Im Zentrum steht Rue (Zendaya), das offene Herz der Serie – eine drogensüchtige 17-jährige Schülerin, die durchsucht und verletzlich ist. Ihre Sucht wird nicht nur als Selbstzerstörung dargestellt, sondern auch als verzweifelter Versuch zur Selbstregulation.
Rue umgeben Figuren wie der toxische Nate (Jacob Elordi), die kämpferische Transfrau Jules (Hunter Schafer) und Maddy (Alexa Demie) sowie Cassie (Sydney Sweeney), deren Körper zu Projektionsflächen geworden sind.
Die Serie war stets von einer Spannung zwischen radikaler Schonungslosigkeit und fast naiver Ernsthaftigkeit geprägt. Eltern trinken am Nachmittag mit ihren Kindern, um lachen zu können – bis der Vater pinkelt oder die Tochter kotzt. In dieser Welt wirkt das Trinken harmlos im Vergleich zur Omnipräsenz von Opioiden und Selbstzerstörung.
«Euphoria» zeigte Gewalt, Sex und Drogen als Teil jugendlicher Realität, überhöht durch eine stilisierte Bildsprache: schwebende Kameras, glitzernde Gesichter in neongetränkten Nächten.
Produzent Sam Levinson verlieh den Bildern Körperlichkeit. Rue, die durch Vorstädte rennt, und Cassie, die unbeweglich vor dem Spiegel steht, verkörpern ein Drama zwischen Verzweiflung und Hoffnung. Man fühlt stets das Herannahen einer Katastrophe.
In Staffel drei, fünf Jahre nach der zweiten, sind die Jugendlichen erwachsen geworden – eine Erwachsenheit geprägt von Verhärtung statt Reifung. Rue arbeitet als Drogenkurierin, Jules lebt in einer leeren Luxuswelt, Cassie inszeniert sich online und Maddy sieht im Only-Fans-Markt Geschäftspotenzial. Nate ist in dubiose Bauprojekte verstrickt.
Der Zeitsprung war notwendig, da die Schauspieler älter geworden sind und ihre Figuren nicht ewig in Schulen bleiben können. Die Serie lebte jedoch von den Druckkammern der Jugend: von Kinderzimmern, Partys und der Intensität dieser Orte.
Die Bilder der dritten Staffel bleiben überwältigend schön, doch droht die Dauerintensität an Wirkung zu verlieren. Der Rhythmus von Anspannung und Entlastung, den «Euphoria» einst meisterte, gerät ins Stocken.
Der Exzess ist Teil des Alltags geworden: Die wilde Sucht wird bewirtschaftet, die Sexualität monetarisiert und die Abhängigkeiten professionalisiert. «Euphoria» hat sich mit der Zeit an den Erwachsenenstatus angepasst – eine Anpassung, die nicht unbedingt besser, sondern nur anders ist.
Die dritte Staffel von «Euphoria» auf HBO Max: Zwei der acht Folgen sind bereits verfügbar; weitere Episoden erscheinen wöchentlich, jeweils montags.