Stefan Walter, Leiter der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma), begegnet der Kritik an seiner Behörde, zu zögerlich gehandelt zu haben. Dies wurde nach schweren Vorwürfen des US-Finanzministeriums gegen die MBaer Merchant Bank im Februar deutlich: Das Institut soll seinen Kunden beim Umgehen von Sanktionen geholfen haben. Im Gespräch mit der NZZ in Bern erläutert Walter sein Vorgehen und betont, dass verdächtige Muster bei einer Bank gründliche Untersuchungen erfordern.
Walter bestreitet den Vorwurf, die Aufsicht sei lax: “Wir haben im Februar die Bewilligung entzogen. Unsere Aufsicht verschärfte sich schrittweise, bis wir MBaer als nicht tragbar betrachteten.” Obwohl das Bundesverwaltungsgericht den Lizenzentzug zeitweilig aufhob, konnte der Finma nach Rücknahme einer Beschwerde durch die Bank letztlich doch die Bewilligung entziehen.
Die Intervention des US-Finanzministeriums beschleunigte den Prozess. Walter erläutert: “Nachdem das US-Ministerium eine Ausschlussmöglichkeit erwähnte, zog MBaer ihre Beschwerde zurück.” Er betont die Unabhängigkeit der Finma-Aufsicht von internationalen Stellen.
Walter räumt ein, dass es auf dem Schweizer Finanzplatz weitere problematische Institute geben könnte. Deshalb sei eine starke, risikobasierte Aufsicht notwendig. Trotz Kritik an einem angeblichen Formalismus betont er das Bemühen der Finma um einen differenzierten Ansatz: Kleinere Institute seien zahlreicher und ziehen mehr Aufmerksamkeit auf sich. Größeren Banken wie der UBS wird verstärkt Aufmerksamkeit gewidmet, insbesondere bei Governance und Risikokultur.
Die Finma hat ihre Prüfmethoden intensiviert: Rund 95 Prozent aller Verstöße werden bei eigenen Kontrollen entdeckt. Diese sollen weiter ausgebaut werden, ohne das duale System abzuschaffen.
Walter äußert sich zur Bedeutung von Verwaltungsratsmitgliedern, die nicht nur auf kurzfristige Gewinne fokussiert sind. Bei der UBS und anderen Banken wird verstärkt darauf geachtet, dass Gremien mit den nötigen Expertisen ausgestattet sind.
Trotz Kritik an seiner Person verteidigt Walter seine Erfahrung im Finanzsektor: “Kritik gehört zum Job.” Der Personalstand der Finma ist zwar gestiegen, bleibt aber schmal. Neue Aufgaben und Risiken erfordern zusätzliche Expertise.
Stefan Walter zeigt sich besorgt über die Entwicklung von KI-Modellen wie “Mythos”, das Sicherheitslücken aufspüren kann. Zusammen mit dem Bundesamt für Cybersicherheit und internationalen Behörden arbeitet die Finma daran, den Schweizer Banken zu helfen, ihre Systeme sicher zu halten.