Angesichts des Konflikts im Iran droht in der Schweiz eine Knappheit an Flugbenzin. Sollte dies eintreten, müssten die Pflichtvorräte herangezogen werden, deren Kapazität jedoch weit unter den Erwartungen liegt. Airlines und Reisende verfolgen gespannt die Entwicklungen rund um den Iran-Krieg. Durch die Blockade der Straße von Hormus ist mit einer baldigen Knappheit an Kerosin zu rechnen, da ein großer Teil der Lieferungen diesen Weg nimmt. Vor etwa zwei Wochen warnte der Generaldirektor des Flughafen-Dachverbands ACI Europe vor einem systematischen Treibstoffmangel, der Anfang Mai eintreten könnte. Der Verband IATA sieht das Risiko einer Knappheit erst Ende Mai, was zu Flugausfällen führen könnte. Es sind nun zwei Wochen vergangen, seit der letzte Kerosin-Tanker aus der Golfregion Europa erreichte. Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) zeigt sich dennoch gelassen gegenüber Nau.ch. Tatsächlich ist für Mai mit reduzierten Lieferungen nach Europa zu rechnen, wie Mediensprecher Thomas Grünwald erklärt. Dies könnte auch die Schweiz betreffen. Die Versorgung der Schweiz mit Mineralölprodukten ist bis Ende April gesichert. Danach müsste das Pflichtlager herangezogen werden, falls eine Kerosin-Knappheit auftritt. Der Bund kann diese Lager freigeben, wenn nötig. Die gesetzliche Bedarfsdeckung der Pflichtlager beträgt drei Monate. Im schlimmsten Fall könnten Mitte Juli an Schweizer Flughäfen Kerosin-Mängel auftreten. Das liegt daran, dass die Lager nicht wie vorgesehen mit einem Vorrat für 90 Tage gefüllt sind. Dies ist auf den stark gesunkenen Bedarf während der Covid-Pandemie zurückzuführen. Obwohl sich der Flugverkehr erholt hat, erfolgt der Wiederaufbau der Lagerbestände verzögert. Die Betreiberin der Pflichtlager, die Tankanlage Rümlang AG, gibt an: “Es liegt in der Verantwortung der Mineralölfirmen, zu den zahlreichen Aktionären gehörend, ein dreimonatiges Pflichtlager zu unterhalten.” Zu diesen Firmen zählen weltweite Ölgiganten wie Socar, BP oder Totalenergies sowie die Swiss und mehrere kleinere Unternehmen. Diese sind Teil der Organisation Carbura, welche im Auftrag die Lagerung von Kerosin übernimmt. Die Swiss hält sich auf Anfrage von Nau.ch zurückhaltend: “Aktuell ist die Versorgung gesichert, und unsere Gäste können reisen wie geplant. Die Lage kann sich jedoch schnell ändern”, erklärt Mediensprecherin Meike Fuhlrott. Man beobachte die Situation genau und stehe in Kontakt mit globalen Partnern. Flüge würden so geplant, dass Sicherheit und Zuverlässigkeit für Passagiere gewährleistet sind. Bei Veränderungen werde man die Kunden frühzeitig informieren. Besonders in Asien rechnet die Swiss mit Engpässen aufgrund der starken Abhängigkeit von Produkten aus der Golfregion. Während viele Airlines keinen Kerosin-Mangel bestätigen, wurden kürzlich Flüge gestrichen. Edelweiss begründete dies mit geringer Nachfrage. Die niederländische KLM strich 160 Flüge für Mai. Cityline, eine Lufthansa-Regionaltochter, bleibt bis auf Weiteres am Boden, begründet durch Streiks und hohe Treibstoffkosten.