Die Schweiz erlebt einen signifikanten Anstieg der Löhne, und zum ersten Mal in einer Weile bleiben mehr Einkommen im Portemonnaie. Das Bundesamt für Statistik (BFS) berichtet, dass die Nominallöhne um durchschnittlich 1,8 Prozent zulegen, während sich die Inflation merklich abschwächt. Dies resultiert in einem Reallohnplus von 1,6 Prozent.
Der Nominallohn bezeichnet den auf dem Papier verdienten Betrag, also das Gehalt in Franken. Der Reallohn hingegen reflektiert die Kaufkraft dieses Einkommens und berücksichtigt die Preisentwicklung. Ein Lohnzuwachs über der Teuerung führt zu einem Anstieg des Reallohns.
Das zweite aufeinanderfolgende Jahr mit gestiegener Kaufkraft verzeichnet den stärksten Zuwachs seit 2009, wobei ähnliche Steigerungen zuletzt in den Jahren 2015 und 2020 zu beobachten waren. Im Vorjahr lag das Plus bei moderaten 0,7 Prozent.
Die Lohnentwicklung variiert je nach Sektor und Branche. In der Industrie steigen die Nominallöhne um 1,5 Prozent, im Dienstleistungssektor dagegen um 1,9 Prozent. Branchen wie Chemie- und Pharmasparte oder Metallverarbeitung verzeichnen deutliche Zuwächse, während der Maschinen- und Fahrzeugbau zurückbleibt.
Im Dienstleistungssektor sind öffentliche Verwaltung und spezialisierte Dienste mit überdurchschnittlichen Lohnzuwächsen zu nennen. Im Gesundheits- und Sozialwesen sowie im Handel wachsen die Löhne unterdurchschnittlich.
Ein auffallender Unterschied zeigt sich zwischen den Geschlechtern: Die Nominallöhne für Frauen steigen um 2,3 Prozent, während jene der Männer um 1,5 Prozent zulegen.
Der insgesamt deutliche Anstieg der Kaufkraft ist vor allem auf die schwache Inflation zurückzuführen. Nach einem Jahr mit einer Jahresteuerung von nur noch 0,2 Prozent frisst diese einen kleineren Anteil der Lohnerhöhungen auf.
Im Dezember hatten Gewerkschaften Druck gemacht und höhere Löhne gefordert. Der Dachverband Travail Suisse kritisierte dabei leistungsabhängige Zulagen sowie Einmalprämien, die kurzfristig wirkten, jedoch oft im Folgejahr wieder verschwinden und somit keine nachhaltigen Lohnerhöhungen bringen.
SRF 4 News, 21.4.2026, 9:30 Uhr