Angela Müller von Algorithm Watch betont, dass die Problematik von KI-Deepfakes weit über einzelne Fälle hinausgeht. «Das Problem ist größer als einige Einzelfälle», erklärt sie. Während Sexismus und sexualisierte Gewalt im Netz bereits bekannt sind, verstärkt die KI-Technologie diese Phänomene erheblich. Die Organisation verlangt daher mehr Verantwortung von Social-Media-Plattformen und den Anbietern von KI-Tools. Rechtliche Lage: In der Schweiz existiert kein eigenständiger Straftatbestand für die Herstellung und Verbreitung von Deepfake-Pornos. Der Bundesrat vertritt die Ansicht, dass das bestehende Recht grundsätzlich auch auf solche Fälle anwendbar ist. Unterschiedliche Straftatbestände wie Identitätsmissbrauch oder Ehrverletzungsdelikte könnten einschlägig sein. Auch das Weiterleiten intimer Inhalte kann rechtlich relevant werden. «Die aktuellen Straftatbestände decken meiner Meinung nach vieles ab», meint Kommunikationsanwalt Manuel Bertschi. Wesentlich sei, dass die Justiz diese Bestimmungen konsequent anwendet. Problem der Durchsetzung: Anwalt Bertschi sieht das Hauptproblem in der juristischen Umsetzung begründet. Oft ist unbekannt, wer hinter anonymen Accounts steht, die solche Inhalte verbreiten. Eine belangbare private oder juristische Person sei erforderlich. «Ich bin dafür, eine Plattformhaftung gesetzlich zu verankern», fordert Bertschi, da momentan die Plattformen nicht haftbar sind für gepostete Deepfake-Inhalte. Auch Angela Müller hält es für notwendig, dass Plattformen zur Rechenschaft gezogen werden, wenn sie von illegalen Inhalten wissen und diese nicht entfernen. Deepfakes bezeichnen Medieninhalte wie Fotos oder Videos, die durch künstliche Intelligenz realistisch erscheinen und manipuliert werden können. App-Verbot: Der Nationalrat diskutiert Motionen für das Verbot von Nudify-Apps, die aus vorhandenen Fotos Deepfakes erstellen lassen. SRF-Digitalredaktor Guido Berger warnt jedoch vor zu hohen Erwartungen an solche Verbote. Angebote ändern rasch ihre Namen oder Strukturen. «Sobald eine Seite gesperrt ist, erscheint sie unter einem neuen Namen», erklärt Berger. Gesellschaftliche Herausforderung: Laut Angela Müller reicht eine strafrechtliche Lösung allein nicht aus. Oft ist der Schaden bereits entstanden, bevor Deepfake-Inhalte gelöscht werden können. Präventive Maßnahmen, Unterstützung für Betroffene und mehr Verantwortung von Plattformen sind erforderlich. Diese Inhalte spiegeln ein gesellschaftliches Problem wider, das nicht allein durch Gesetze lösbar ist. News Plus bietet täglich um 16 Uhr neue Perspektiven und Antworten auf aktuelle Fragen. Melden Sie sich mit Ihren Fragen und Anregungen per Mail an [email protected] oder als Sprachnachricht unter 076 320 10 37.