Wenn der Begriff Klimakrise fällt, reagieren viele mit dem Gedanken «Nicht schon wieder!». Die Debatten verlieren an Dynamik und politische Themen nehmen den Vordergrund ein. Doch fünf Philosophen haben sich mit einem kleinen Buch zum Ziel gesetzt, das Streiten über das Klima konstruktiver zu gestalten. Dominic Roser, Mitautor und Experte für Klimaethik, betont, dass sie keine überheblichen Nuancenanalysen liefern wollen. Vielmehr möchten sie sich aktiv in die Diskussion einbringen, ohne Empörung oder Ablehnung. Das Werk «Besser um die Zukunft streiten» analysiert gängige Argumente und Slogans der Klimadebatte auf ihre Tragfähigkeit. So wird etwa die Auffassung hinterfragt, dass Klimaschutz zwar wichtig sei, jedoch nicht zulasten individueller Freiheiten gehen dürfe. Dominic Roser stellt klar: Diese Meinung suggeriert fälschlicherweise, dass Freiheit und Klimaschutz unvereinbar seien. Eine sinnvolle Betrachtung von Freiheit müsse sich darauf konzentrieren, wesentliche Freiheiten für alle zu schützen, nicht unbedeutende für wenige. Die philosophische Frage lautet daher: Wessen Freiheit? Insbesondere wird gefragt, wie die Freiheit des Fliegens im Wochenendurlaub mit der Freiheit anderer, vor Dürren geschützt zu sein, in Einklang gebracht werden kann. In einer liberalen Demokratie sind individuelle Freiheiten ein hohes Gut, und Verbote stoßen daher häufig auf Widerstand. Roser weist jedoch darauf hin, dass das Verbot von Inland-Kurzstreckenflügen weniger bedeutende Freiheiten beeinträchtigt, während höhere Benzinsteuern viele treffen und wichtige Freiheiten wie Mobilität für Geringverdiener einschränken könnten. Entscheidend ist jedoch, dass in einer Demokratie die Zivilgesellschaft und politische Entscheidungsträger bestimmen, welche Lebensweise sie bevorzugen. Auch Argumente von Klimaaktivisten werden im Buch kritisch beleuchtet, etwa die Forderung «Follow the Science». Roser bemängelt den philosophischen Fehler der Annahme, dass Wissenschaftlerinnen und -männer über ethische Fragen entscheiden sollten, da sie nicht vom Volk gewählt sind. Philosophen haben ebenfalls keine demokratische Legitimation, aber sie können dazu beitragen, komplexe Probleme mit Klarheit zu analysieren. Sie zeigen auf, wie Argumente Alarmismus und Gleichgültigkeit entgegenwirken können. Das Werk von Barbara Bleisch, Kirsten Meyer, Stefan Riedener, Dominic Roser und Christian Seidel trägt den Titel «Besser um die Zukunft streiten» und wurde vom Hanser Verlag 2025 veröffentlicht. Die Diskussion wurde von Radio SRF 2 Kultur am 21. April 2026 beleuchtet.