Ein Schicksalsschlag traf Franny, eine Schweizer Content-Creatorin mit 2.6 Millionen TikTok- und einer Million Instagram-Followern, an einem Sonntagabend: Sie erhielt per E-Mail die Nachricht, dass sie Opfer sexueller Onlinegewalt geworden ist. Diese Erfahrung löste bei ihr Trauer, Hilflosigkeit und Wut aus. Im Gespräch spricht Franny über den Vorfall, dessen Auswirkungen auf ihr Leben und ihre Mission zur gesetzlichen Veränderung.
“Zunächst war ich nur traurig”, erinnert sich die 21-jährige Schweizerin an SRF News. “Dann wurde Wut stark, weil ich nichts ändern kann. Es ist ungerecht. Ich habe es nie gewählt und wollte mich nicht damit auseinandersetzen müssen. Plötzlich hatte ich keine Wahl mehr.”
Weshalb entschied sie sich, öffentlich darüber zu sprechen? “Wir Betroffene haben uns gegenseitig ermutigt, gemeinsam an die Öffentlichkeit zu gehen”, erklärt Franny. “Ein wichtiger Grund war auch, dass die Chance gering ist, die Täter zu finden. Gleichzeitig haben wir über soziale Medien eine große Reichweite und können somit auch für Menschen sprechen, die keine eigene Plattform haben. So können wir Veränderung vorantreiben. Es fühlte sich fast an, als müsste ich es tun.”
Sie betont das Bedürfnis nach Diskussionen über dieses Thema. Der Fall der deutschen Influencerin Collien Fernandes hat aufgezeigt, wie gravierend die rechtlichen Lücken bei Deepfake-Pornografie sind.
Franny sieht dringenden Handlungsbedarf für klare gesetzliche Regelungen zu KI-generierten Pornos: “Es gibt kein Gesetz, das diese eindeutig erfasst und bestraft. Für Betroffene bedeutet dies, kaum Schutz zu haben, während viele Täter keine Konsequenzen befürchten müssen. Deshalb sind klare gesetzliche Regelungen unverzichtbar. Auch fehlt es an Bewusstsein für diesen Missbrauch, besonders bei der jüngeren Generation. Viele Täter waren sehr junge Männer.”
Franny berichtet auch vom Umgang ihres Umfelds mit ihrem Fall: “In der Woche, als ich die E-Mail bekam, hörte ich von ähnlichen Fällen, sogar aus meinem direkten Umfeld. Die Täter sind teilweise sehr nah dran. Warum wird darüber nicht mehr gesprochen?”
Trotz ihrer weiterhin aktiven Social-Media-Präsenz hat sich ihr Umgang verändert: “Ich möchte mich nicht einschränken lassen, aber es ist schwierig. Beim Filmen und Schneiden denke ich ständig darüber nach. Ich traue mich manches nicht mehr, wie beispielsweise bei Sportprojekten mich von hinten zu zeigen. Auch hinterlasse Kommentare oft das Gefühl, ob da einer der Täter ist. Hinzu kommt die Angst vor einem Alltagsbegegnungen mit ihnen; sie sind Schweizer und leben hier.”
Das Interview führte Lorena Wahrenberger.
SRF Regionaljournal, 21.4.2026, 12:03 Uhr