Ghulam Damar berichtet von zwölfstündigen Arbeitstagen an sechs Tagen die Woche ohne Schutz bei Krankheit. Er war in Prato, einem Zentrum der italienischen Bekleidungsproduktion mit rund 7.000 Firmen – mehr als die Hälfte davon chinesisch geführt. Über 30.000 Chinesen leben hier, viele unter prekären Bedingungen.
Ende März protestierten Arbeiter und Gewerkschafter vor dem Provinzgebäude für ehemalige Angestellte der Firma L’Alba, die gegen ausbeuterische Arbeitsbedingungen aufgestanden waren. Nach einem korrekten Vertrag wurde die Produktionsstätte geschlossen und unter neuem Namen wiedereröffnet, wodurch die protestierenden Arbeiter entlassen wurden.
L’Alba belieferte Marken wie Dixie oder Patrizia Pepe, deren Kleidung auch in der Schweiz verkauft wird. Gewerkschaftsvertreterin Elena Amadei fordert von den Brands Verantwortung für die Arbeitnehmer innerhalb ihrer Lieferkette.
Tessilform betont ein wirksames Kontrollsystem und dass es keine Hinweise auf Nichteinhaltung gab, während die Provinz Prato den Lösungsprozess leitete. Seit Oktober 2024 hat Tessilform zusätzliche Standards eingeführt. Dixie erfuhr erst im September 2025 von der Angelegenheit und betont seine strikte Überwachung seiner Lieferkette.
Dixie sah das Gesprächsprozess als Chance für Transparenz, jedoch zog sich ein interessiertes Unternehmen aufgrund von Schwierigkeiten zurück. Erst nach weiteren Verhandlungen konnte eine Einigung erzielt werden. Die komplexen Lieferketten erschweren die Kontrolle der Arbeitsbedingungen.
Versuche, Pratos Textilproduktionsfirmen zu betreten, scheiterten; doch undercover-Arbeit offenbarte suboptimale und gefährliche Bedingungen, einschließlich blockierter Notausgänge. Viele chinesische Arbeiter sind in prekären Verhältnissen tätig.
Die Staatsanwaltschaft in Mailand zwangsverwaltete fünf Luxusmarken wegen Missständen wie systematischer Ausbeutung. Nach 193 Tagen Protest erhalten nun die Prato-Arbeiter feste Stellen, eine Premiere in Italien, doch viele kämpfen weiterhin um ihre Rechte.