Das Biopic «Michael» erzählt die Geschichte eines Stars, der trotz widriger Umstände – darunter ein gewalttätiger Vater, der seiner Solokarriere entgegenstand – berühmt wurde. Diese Thematik ist allerdings nicht neu; Jackson selbst hat sie in Interviews und seiner Autobiografie behandelt.
Der Film umspannt Mitte der 1960er bis Ende der 1980er Jahre und beginnt mit den Anfängen der Jackson Five, als Michael gerade sechs Jahre alt war. Er berichtet von seinem ersten Soloalbum «Off The Wall» (1979), dem Meilenstein «Thriller» (1982) – das meistverkaufte Album aller Zeiten – bis hin zum Abschluss der «Bad»-Tour (1987-1989).
Michael Jackson wird als Opfer seines Vaters und seines frühen Erfolgs dargestellt. Der Film versucht, seine Schwächen und Marotten aus diesen Umständen abzuleiten: Ein mangelndes Selbstbewusstsein aufgrund der Einschüchterung durch den Vater führte zu seiner Obsession für plastische Chirurgie an der Nase. Zudem hatte er laut Film keine Kindheit, was seine Vorliebe für Schimpansenvor allem Bubbles und seine soziale Interaktion mit Kindern erklärt.
Diese Erklärungen wirken trotz ihrer Plausibilität harmlos, da sie die Missbrauchsvorwürfe ignorieren. Eine neue Klage im Februar verstärkt diese Brisanz. Branchenblatt «Variety» berichtete, dass ursprünglich geplant war, den Einfluss der Vorwürfe auf Jackson zu beleuchten; doch jegliche Erwähnungen wurden entfernt.
Die Anwälte der Nachlassverwalter, die auch als Produzenten fungieren, sollen eine Klausel übersehen haben: Sie untersagte Darstellungen oder Erwähnungen in Filmen. Dies führte zu Nachdrehs; statt mit den Missbrauchsvorwürfen endet «Michael» nun im Januar 1989 nach der «Bad»-Tour. Die Kosten für die Änderungen übernahm der Jackson-Nachlass.
So ist das Biopic zu einem weichgezeichneten Porträt geworden, ähnlich wie bei früheren Filmen über Freddie Mercury, Amy Winehouse oder Bob Marley. Typischerweise produzieren Stars selbst, ihre Familien oder Nachlassverwalter solche Filme, um ein positives Bild abzuliefern – kritische Perspektiven sind dabei oft nicht erwünscht.
Paris Jackson, die Tochter des Popstars und Kritikerin des Films, erklärte auf Instagram: «Es ist Hollywood, eine Fantasiewelt, keine Realität.» Sie bemängelte zahlreiche Ungenauigkeiten im Film und distanzierte sich von ihm. Ihrer Meinung nach richtet sich «Michael» an einen Teil der Fangemeinde, die in einer Fantasiewelt lebt und damit zufriedengestellt wird.