Der Bundesrat plant, systemrelevanten Banken strengere Vorschriften aufzuerlegen. Der führende Banker der Schweiz, Marcel Rohner, warnt vor den möglichen negativen Auswirkungen dieser Maßnahmen: Die Kreditkosten könnten steigen und ein Abzug der UBS sei nicht ausgeschlossen.
Rohner ist Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung und vertritt die Interessen von etwa 230 Finanzinstitutionen. Der in Aargau geborene Ökonom bringt über drei Jahrzehnte Erfahrung im Finanzsektor mit und war während der Finanzkrise 2008 als Konzernchef bei UBS tätig. Seit 2016 ist er Vizepräsident des Verwaltungsrats der Genfer Privatbank Union Bancaire Privée (UBP) und seit 2021 leitet er die Schweizerische Bankiervereinigung, während er gleichzeitig als Vizepräsident von Economiesuisse fungiert.
In einem Interview mit SRF News äußerte sich Rohner kritisch über das Regulierungspaket des Bundesrats: Es sei keineswegs ein Kompromiss, sondern eine Verschärfung. Die neuen Regeln berücksichtigten nicht die Veränderungen seit der CS-Krise und ignorierten die Unterschiede im Geschäftsmodell einer heutigen UBS.
Ein Kernpunkt des Pakets ist das zusätzliche Eigenkapital von rund 20 Milliarden Dollar. Rohner argumentiert, dass dies ein Problem darstelle, da eine Bank dann einen erheblichen Wettbewerbsnachteil gegenüber internationalen Konkurrenten habe, was ihre operativen Möglichkeiten einschränke.
Für die Kunden bedeutet das: eine schleichende Erhöhung der Kosten und Engpässe bei Kreditangeboten. Insbesondere risikoreichere Finanzierungen würden schwieriger zu erlangen, da UBS vorsichtiger mit ihren Mitteln umgehen müsse.
Rohner warnte vor den möglichen Konsequenzen: Ein Verwaltungsrat sei gegenüber seinen Aktionären verantwortlich. Bei einer signifikanten regulatorischen Differenz könnte ein Wegzug der UBS aus der Schweiz eine reale Möglichkeit werden, sollten die aktuellen Vorschläge umgesetzt werden.
Anstelle von mehr Eigenkapital schlägt Rohner vor, dass der wahre Schutz für Steuerzahler erreicht wird, wenn auch eine große Bank wie die UBS geordnet Konkurs gehen kann. Die Regulierung sollte darauf ausgerichtet sein und nicht nur auf das Anhäufen von Kapital.
Trotz seiner Kritik betont Rohner, dass die heutige Situation anders sei als 2008, da die UBS wesentlich konservativer operiere – ein direktes Ergebnis der nachfolgenden Regulierungen.
Das Gespräch führte David Karasek. (10vor10, 22.4.2026, 21:50 Uhr; srf/kard/baus; horm)